Hochintensiv zum perfekten Körper?

Erbrechen, Muskelkater, Kreislaufstörungen: so viel Spaß macht das Hochintensive Intervalltraining

Sonja Dries | aus HEUREKA 3/13 vom 26.06.2013

Schlank, durchtrainiert und fit werden und das in kürzester Zeit für wenig Geld - mit diesem Versprechen locken immer mehr Fitnessstudios ihre potenziellen Kunden und treffen damit genau den Zeitgeist. "Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der wir einerseits immer weniger Zeit haben und andererseits trotzdem in allem die Besten sein wollen", sagt Robert Fritz, Sportmediziner und selbst Leistungssportler. Er ist Teil der Sportordination in Wien, einer Plattform aus Ärzten, Wissenschaftern und Therapeuten, die Hobby- und Profiathlethen bei der Ausübung ihres Sports beraten.

Ein Trend, der momentan hierzulande boomt, ist das "Hochintensive Intervall Training" (HIIT): Wenige kurze, aber dafür extrem intensive Trainingseinheiten, die den Körper in kürzester Zeit voll auslasten sollen.

Auch Verena Gritsch, Personal Trainerin in Wien, schwört auf dieses System. Als sie nach der Geburt ihres Kindes vor zwei Jahren schnellst möglich wieder fit werden wollte, entdeckte sie HIIT für sich und merkte bereits nach kürzester Zeit starke Veränderungen an ihrem Körper. Sie begann sich intensiv mit den Themen Anatomie, Training und Fitness auseinanderzusetzen und trainierte bald auch Nachbarn und Bekannte. Ohne fachliche Ausbildung, aber mit einem absolvierten Architekturstudium, das laut Gritsch das notwendige Wissen über Statik und Druckverteilung brachte, bietet sie seit Ende 2012 professionell hochintensives Training an.

An die sechzig Personen kämpfen sich mittlerweile zwei bis dreimal die Woche durch ihr hartes Programm. "Es kommt immer wieder vor, dass den Leuten schlecht wird, dass sie Kreislaufprobleme haben, dass sie zusammenklappen, dass sie sogar erbrechen. Das Schlimme daran ist, ich lobe sie und sage bravo, du hast alles richtig gemacht", sagt Gritsch, denn das sei hochintensives Training. Nach dem ersten HIIT sei der Muskelkater vieler Teilnehmer so stark, dass sie die Treppen drei Tage lang nur noch rückwärts runtergehen könnten.

Für Sportmediziner Fritz ist ein derart starker Muskelkater jedoch ein Zeichen für zu große Belastung. Training funktioniert prinzipiell so, dass der Muskel durch gewisse Reize geschwächt wird und dann versucht, stärker zu werden. Das sollte allerdings keine Schmerzen verursachen. Bei übertriebenem Training kommt es zu einer vollkommenen Überlastung der Muskeln, die auch in Verletzungen enden kann.

In seiner Ordination wird Robert Fritz oft mit Patienten konfrontiert, die sich überanstrengt haben. Starke Schmerzen in Oberschenkel und Wade, Achillessehnen- und Sehnenansatzentzündungen und auch Muskelverletzungen sind häufige Folgen.

Trotzdem sieht der Sportmediziner auch Vorteile im hochintensiven Training, wenn man Akzente setzen möchte. Vor allem Hochleistungssportler binden HIIT in ihr Programm ein, um die Muskulatur neuen Reizen auszusetzen. Auch Hobbyathleten können laut Fritz ab und zu eine intensivere Einheit einlegen. Diese sollte man jedoch immer mit Ausdauertraining und der Verbesserung von Sensomotorik und Stabilität verbinden. Wichtig sind dabei Pausentage, an denen sich der Körper erholen kann. Diese Phasen sind es auch, in denen die Muskeln sich aufbauen.

Bei einem sind sich der Sportmediziner und die Personal Trainerin einig: Möchte man hochintensives Training machen, sollte man das vor allem am Anfang unter Aufsicht eines Trainers tun. Denn wenn die Übungen nicht richtig ausgeführt werden, ist das Verletzungsrisiko besonders bei hochintensiver Ausführung enorm hoch und Frustration und Folgeschäden sind vorprogrammiert.

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