Kognitionsbiologie

Von wegen Spatzenhirn, sagt der Kakadu

Die klugen Kakadus im Wiener Goffin-Lab verblüffen mit beeindruckenden kognitiven Fähigkeiten

Uschi Sorz | aus HEUREKA 4/13 vom 16.10.2013

Am Wiener Department für Kognitionsbiologie hat man sie schon beim Schlösserknacken beobachtet, Werkzeuge basteln sehen oder mäßig begehrte Speisen durch kluges Taktieren gegen attraktivere Leckerbissen eintauschen lassen: die verspielten indonesischen Goffini-Kakadus.

Sie zählen zu den klügsten Vogelarten der Welt und beeindrucken mit ihrer enormen Lerngeschwindigkeit und Problemlösungsfähigkeit. Versuche mit ihnen sollen dazu beitragen, die Evolution von Intelligenz zu erforschen.

Die jüngsten Ergebnisse - diesmal zu ihrer Objektpermanenz - publizierte ein internationales Forscherteam um Alice Auersperg, Leiterin des Wiener Goffin-Labs, im Juli im Journal of Comparative Psychology.

Dabei geht es um die Fähigkeit, die Bewegung von Objekten zu verfolgen, die vorübergehend außer Sicht sind. Das ist geistig anspruchsvoll. So wissen Kinder erst mit ungefähr vier Jahren, dass Kekse auch noch existieren, nachdem sie im Küchenkasten verschwunden sind.

Die Forscher stellten den Goffinis eine Reihe von sichtbaren und unsichtbaren Verschiebungsaufgaben. Diese Art Tests hatte der Psychologe Jean Piaget in den Fünfzigerjahren entwickelt, um das räumliche Gedächtnis und die Verfolgungsfähigkeit von Kindern und Tieren zu messen. Dabei zeigte sich, dass die Objektpermanenz der Goffinis der von Menschenaffen oder vierjährigen Kindern ähnelt.

"Es war überraschend zu beobachten, dass sie die meisten unsichtbaren Verschiebungen lösten, welche vermutlich eine starke kognitive Last auf das arbeitende Gedächtnis darstellen", so Thomas Bugnyar von der Universität Wien. "Um die Relevanz dieser Fähigkeiten in einem sozioökonomischen Kontext besser zu verstehen, benötigen wir mehr vergleichende Studien in dieser Richtung."

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