Umweltwissenschaften

Die größte Flussexpedition der Welt

Sie fand diesen Sommer auf den 2375 Kilometern der Donau statt: Ziel ist die Erfassung der Mikrobiologie des Flusses

Sabine Edith Braun | aus HEUREKA 4/13 vom 16.10.2013

Auf den 2375 Flusskilometern der Donau 68 Messstationen: Zwei Forschungsschiffe sammelten im Sommer von Regensburg bis ins Donaudelta Wasserproben für den 3. "Joint Danube Survey" unter der Leitung der internationalen Donauschutzkommission (ICPDR).

Es ist dies die weltweit größte Flussexpedition -kein anderer Fluss hat so viele Anrainerstaaten (und damit unterschiedliche Standards) wie die Donau. Das österreichische Mikrobiologie-Team besteht aus Kooperationspartnern von MedUni Wien und TU Wien. In Österreich wurden an sieben Stellen Proben entnommen.

"Wir untersuchen die Verschmutzungskomponente sowie die ökologische Rolle der Bakterien", erklärt Alexander Kirschner von der Med-Uni Wien. Die Mikrobiologie ist durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie völlig unzureichend abgedeckt. "Bakterien sind aber wichtig - sie sind für die Selbstreinigung des Gewässers verantwortlich und gleichzeitig potenzielle Krankheitserreger."

Ziel sei es, ein umfassendes Bild mikrobiell-fäkaler Verschmutzungsmuster entlang der Donau zu zeichnen. Vor allem E.coli-Bakterien und Enterokokken gilt es aufzuspüren, denn diese sind Indikatoren für die Anwesenheit von Krankheitserregern. "Sehr wichtig ist auch die Herkunftsbestimmung fäkaler Verschmutzung, das Microbial Source Tracking, das auf dem Einsatz modernster molekularbiologischer Techniken beruht", so Alexander Kirschner.

Die Qualität des Donauwassers ist in vielerlei Hinsicht bedeutsam: Es betrifft Freizeitaktivitäten, wird in der Landwirtschaft zur Bewässerung verwendet und dient in vielen Ländern auch zur Trinkwassergewinnung.

Messungen in den Jahren 2001 und 2007 ergaben vor allem in Osteuropa teils erhebliche Verschmutzungen der Donau; doch seit in Budapest die Kläranlage in Betrieb genommen wurde, scheint sich die Qualität verbessert zu haben, bestätigen erste Ergebnisse. Dennoch entdeckten die Forscher an einigen Stellen auch unerwartete Verschmutzungen am Rand der Donau. Zurzeit werden die Daten ausgewertet. Der Abschlussbericht erscheint 2014.

Alexander Kirschner hebt die gute Zusammenarbeit von TU Wien und MedUni Wien hervor. Beide Unis werden auch in Zukunft kooperieren: "Für den Joint Danube Survey haben wir von FWF, Lebensministerium und ICPDR über 200.000 Euro Forschungsgelder erhalten, und eben erst vom Wissenschaftsministerium weitere maßgebliche Mittel zum Ausbau unserer Kooperation zugesagt bekommen."

www.icpdr.org (Donauschutzkommission)

www.waterandhealth.at (Interuniversitäres Kooperationszentrum für Wasser und Gesundheit: ICC Water & Health; TU Wien & MedUni Wien)

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