Psychologie

Sie finden das richtig eklig? Dann versuchen Sie es einmal mit dem Placebo-Effekt!

Sonja Burger | aus HEUREKA 4/13 vom 16.10.2013

Hinter Waschzwang oder Blutphobie steckt oft eine erhöhte Ekelempfindlichkeit. Bei jenen, denen es trotz Therapie nicht gelingt, das Gefühl des Ekels bewusst zu regulieren, "kommt der Ekel immer wieder hoch", weiß die Klinische Psychologin Anne Schienle von der Karl-Franzens-Universität Graz. Wenn die bewusste Emotionsregulation bei manchen Patienten nicht funktioniert, wie kann ihnen dann geholfen werden?

Um das herauszufinden, setzte Schienle eine ungewöhnliche Studie durch. Mittels Fragebogen und funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) untersuchte sie, ob sich der Placebo-Effekt für die unbewusste Emotionsregulation eignet.

Dieser Ansatz ist neu. Denn bisher kommt der Placebo-Effekt vorrangig in der Schmerzmedizin zum Einsatz. Hans-Georg Kress von der MedUni Wien erklärt, dass man in der Schmerzmedizin zunehmend auf den Placebo-ähnlichen Effekt einer positiven Begleitkommunikation beim Verordnen wirksamer Therapien vertraue. Schienle setzte in ihrer Studie auf die Wirkung positiver Suggestion, die an ein Scheinpräparat (Placebo) gekoppelt ist.

"Wir waren überrascht, wie stark der Effekt war", resümiert die Klinische Psychologin. Das fMRT zeigte, dass die Aktivierung sowohl des insulären Kortex (Insula), also jenes Gehirnareals, das maßgeblich für das Ekelempfinden zuständig ist, als auch des visuellen Kortex deutlich abnahm. Die 34 Teilnehmerinnen, denen ekelauslösende Bilder vorgelegt wurden, stuften diese unter Einfluss des Placebos im Schnitt nur mehr halb so ekelhaft ein. Für Schienle bedeute dies, dass sich eine einmalige Intervention von spezifischen Placebos besonders zu Therapiebeginn lohnen könnte, da dies den Betroffenen deren Selbstheilungspotenzial verdeutlicht.

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