Kommentar

Zu wenig Geld - überharter Wettbewerb

PASCALE EHRENFREUND | aus HEUREKA 5/13 vom 06.11.2013

Systeme, die darauf abzielen, Spitzenleistungen hervorzubringen, funktionieren dann besonders gut, wenn es gelingt, einen transparenten und fairen Wettbewerb zu organisieren.

Das internationale Wissenschaftssystem zählt ohne Zweifel zu dieser Art von Systemen.

Der Wissenschaftsförderung auf kompetitiver Basis kommt dabei eine außerordentlich wichtige Rolle zu. Ist sie nach internationalen Standards bestmöglich organisiert, wird sie sich einer ausgezeichneten Reputation erfreuen und eine hohe Akzeptanz bei der Scientific Community aufweisen. Somit ist eine optimale Ausgangsposition geschaffen, um ein Wissenschaftssystem qualitätsorientiert zu entwickeln.

Für Österreich lässt sich festhalten, dass alle Vorbedingungen in Gestalt des FWF für die weitere Entwicklung des österreichischen Wissenschaftssystems vorhanden wären. Projektideen, die höchsten internationalen Qualitätsstandards gerecht werden, sollten finanziert werden, um das vorhandene Potenzial für exzellente Wissenschaft - made in Austria - voll auszuschöpfen.

Das ist zurzeit nicht der Fall, da die Geldmittel fehlen.

Stehen zu wenig Mittel für die kompetitive Vergabe von Projektmitteln "Marke FWF" zur Verfügung, resultiert daraus ein überharter Wettbewerb, der im schlimmsten aller Fälle zu einer Demotivation der Scientific Community führt, Projektideen zu entwickeln und sich mit diesen Ideen einem wettbewerbsbasierten Auswahlprozedere zu stellen. Das darf keinesfalls passieren, außer man will den bislang erfolgreichen Aufholprozess Österreichs in der Grundlagenforschung vorsätzlich behindern.

Was für die Forschungsförderung gilt, gilt auch für die Forschung selbst.

Es gilt, für die Wettbewerbsintensität eine Balance zu finden, die einen gelungenen Ausgleich zwischen überbordendem Konkurrenzdenken und Kooperationsfähigkeit darstellt. Wenn Konkurrenzdruck sinnvolle Kooperationsbeziehungen verhindert, dann läuft das Hochleistungssystem suboptimal.

Zu starker Konkurrenzdruck kann nicht nur als Kooperationsbremse schädlich sein, er kann auch dazu führen, dass unethisches Verhalten in der Forschung häufiger wird. Gut zu wissen, dass Österreich mit der Agentur für wissenschaftliche Integrität - kurz ÖAWI -gut aufgestellt ist, um den Selbstreinigungskräften im Sinne guter wissenschaftlicher Praxis den Rücken zu stärken.

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