Geologie

Was uns Millionen Jahre alte Süßwasserschnecken über die Biodiversität in Seen sagen

Uschi Sorz | aus HEUREKA 6/13 vom 04.12.2013

Mathias Harzhauser war selbst überrascht, wie schwierig aktuelle Daten zur Vielfalt des Lebens in Seen zu bekommen sind. "Wenn Sie eine Karte mit einer grafischen Darstellung der Diversitäten moderner Seen haben wollen, werden Sie die nicht finden", sagt der Leiter der paläontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien (NHM).

Das seit Februar laufende FWF-Projekt "Süßwassersysteme im Neogen und Quartär Europas: Biodiversität der Gastropoda, Provinzialismus und Faunengradienten" soll hier Abhilfe schaffen. Mit internationalen Kollegen erstellen die Forscher des NHM eine Datenbank für alle Süßwasserschnecken aus Seen der letzten 23 Millionen Jahre bis heute.

Das Besondere daran: "In unserer FreshGen-Database werden alle Daten auf ihren Stellenwert innerhalb der Wissenschaftsgeschichte geprüft." Keine Selbstverständlichkeit, denn Biologen etwa können mangels Vertrautheit mit der geologischen Terminologie das genaue Alter oft schwer erkennen. "Ob etwas zehn oder zwölf Millionen Jahre alt ist, ist aber nicht egal", sagt Harzhauser. "Da geht's ja um zwei Millionen Jahre Evolution." Darum setzt das NHM-Projekt, das bis 2016 läuft, auf Multidisziplinarität und bindet Limnologen, Evolutionsbiologen und Paläontologen ein.

Erforscht werden auch bisher ungeklärte Phänomene wie Riesenwuchs innerhalb nicht verwandter Schneckengruppen zu unterschiedlichen Phasen der Erdgeschichte und der Zusammenhang mit der Größe und Langlebigkeit von Seen.

Bisher wurden über 600 versteinerte und kürzlich vergangene Seen erfasst und über 7000 Arten von 4000 Fundpunkten nachgewiesen. Die Hotspots und die Orte mit wenig Diversitäten werden in "Heatmaps" festgehalten. Alle Daten sind frei zugänglich.

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