Wir haben Exzellenz, Majestät!

Einige Beispiele für weltweit anerkannte Exzellenz in der Wissenschaft in Österreich

Dieter Hönig | aus HEUREKA 6/13 vom 04.12.2013

Österreich darf kein Wissenschafts-Auswanderungsland werden", warnte jüngst der Quantenphysiker Anton Zeilinger, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, anlässlich der Tagung des Österreichischen Wissenschaftsrates. Er selbst denke nur selten ans Auswandern, aber "es fällt einem zunehmend schwerer". Zeilinger fordert endlich eine international wettbewerbsfähige Finanzierung für unsere Universitäten sowie die Forschung, und zwar langfristig. "Durch die Anstrengungen in den 2000er-Jahren haben viele junge Menschen gelernt, wie Wissenschaft funktioniert. Wir müssen diese im Land halten!"

Der Molekularbiologe Josef Penninger würde ruhiger schlafen, wenn sein IMBA-Institut für die nächsten 15 Jahre Finanzierungs-und Planungssicherheit hätte: "Wir, aber auch andere Institute leisten seit vielen Jahren erstklassige Arbeit und müssen in der Forschung oft mit Mini-Budgets auskommen."

Erfolgreiche Wissenschafter am ISTA in Klosterneuburg

Thomas Henzinger, Präsident des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) sieht Investitionen in Wissenschaft und Forschung als wichtigste Option für ein Land wie Österreich, dessen eigentliches Kapital die geistigen Fähigkeiten seiner Menschen ist. "Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, hätte Österreich zweifelsfrei das Zeug zum erstklassigen Wissenschaftsstandort." Dazu müsste allerdings das Budget für Grundlagenforschung um mindestens zehn bis 15 Prozent pro Jahr angehoben werden, hält Zeilinger dagegen.

Im Gegensatz zu Zeilinger geht es Henzinger weniger darum, Wissenschafter an einen bestimmten Ort wie etwa Österreich zu binden, sondern vorrangig um den Austausch von Ideen: Spitzenforschung sei global und somit international. Am ISTA sind mit November 2013 gut 360 Menschen aus 50 Nationen tätig, darunter natürlich auch viele Österreicher. Manche, wie etwa der Physiker Robert Seiringer, entschieden sich, an das ISTA zurückzukehren. Andere, wie etwa die Krebsforscherin Angelika Amon und der Biomathematiker Martin Nowak, forschen in den USA, sind aber dem ISTA als Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats weiterhin verbunden.

Mehr EU Grants für Jungforscher am Campus Vienna BioCentre

Der Campus Vienna BioCentre hat sich in den letzten Jahren zum bedeutendsten Standort für Life Sciences in Österreich entwickelt: Mit Instituten der Akademie der Wissenschaften wie dem IMP Boehringer Ingelheim, Top-Instituten der Uni und MedUni Wien sowie erfolgreichen Biotech-Firmen gelang eine echte Erfolgsstory, die weit über Österreich hinaus registriert wurde.

Heuer gingen alle Life Science Junior ERC Grants in Österreich an junge Forscher am Campus Vienna BioCentre, berichtet Josef Penninger. Dieser habe somit ebenso viele neue ERC Life Science Grants für junge Forscher erhalten wie die gesamte Schweiz. Penninger: "Wir reden nicht mehr über Exzellenz, wir haben sie bereits. Was noch fehlt, ist eine langfristige und bessere Finanzierung."

Penningers Labor arbeitet derzeit an zwei großen Themen: "Haploiden Stammzellen, die wir entwickelt haben, und Krebsforschung. Haploide Stammzellen, also Stammzellen mit einem Chromosomensatz, sind die Revolution in der funktionellen Genetik. Diese Technologie ist besonders interessant für große Firmen und Unis wie Harvard, MIT oder die Chinese Academy of Sciences geworden, mit denen wir bereits kooperieren." In Penningers Labor wird haploide Stammzellenforschung durch einen Advanced ERC Grant und die Brustkrebsforschung mit einem Innovator Award des US Departments of Defense/Era of Hope mit über sieben Millionen US-Dollar gefördert.

Nicht nur Forschung, auch exzellente Lehre ist notwendig

Wissenschafter könnten die Aufmerksamkeit an ihrem Schaffen erhöhen, indem sie ihre Studierenden als Multiplikatoren nützen. Dafür brauche es keine finanziellen Mittel, nur Motivation: "Wem es gelingt, die Begeisterung für die eigene Arbeit in die Lehre zu tragen, der kann sich auf die Kommunikationsfähigkeit und das Engagement seiner Studenten verlassen", erklärt Silke Meyer, Professorin an der Universität Innsbruck und Gewinnerin des Staatspreises "Ars Docendi" für exzellente Lehre.

Die exzellente Lehre orientiert sich an dem Grundsatz des forschenden Lernens. Dieses verbindet die zentralen universitären Aufgaben von Forschung und Lehre, indem es Forschung in die Curricula integriert und mit Lernprozessen verknüpft. Silke Meyers Ziel ist es, Studierende zur selbstständigen Forschung zu ermutigen und diese didaktisch zu begleiten.

Sie hat ihr Lehrkonzept, basierend auf der Idee des forschenden Lernens, in vier Semestern Schritt für Schritt umgesetzt. Es reicht von der Vermittlung einschlägiger Theorien zu deren Anwendbarkeit für Fragestellungen in studentischen Forschungsdesigns, der Auswahl und Evaluation von Methoden, der Analyse der Daten und letztlich der Präsentation der Forschungsergebnisse in verschiedensten Medien wie Fernsehen und Printmedien.

Wichtig ist ihr, den Studierenden Raum für die Entwicklung eigener Forschungsideen zu geben, ihnen aber auch die Möglichkeit zum Experimentieren zu lassen. Der Weg zum Heureka! sei begleitet von vielen Testreihen und Fehlversuchen, aus denen sich dann Fragen ergeben. Silke Meyer meint dazu: "Die Überwindung, eigenes Scheitern anzuerkennen, führt letztlich zu einer produktiven Auseinandersetzung. Samuel Beckett formulierte es auf Englisch: "Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better."

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