Editorial

Christian Zillner | aus HEUREKA 6/13 vom 04.12.2013

Es gibt einen jüdischen Witz, in dem ein Mann Tag für Tag den lieben Gott darum anfleht, ihm doch ein bisschen Glück in der Lotterie und damit Geld zu verschaffen. Jahre-, ja jahrzehntelang geht das so dahin. Bis Gott der Kragen platzt und er mit Donnerstimme über den Mann kommt: "Herschel, gib mir eine Chance - kauf dir endlich ein Los!"

Wieso mir dieser Witz in Zusammenhang mit Exzellenz in der Forschung einfällt? Nun, vielleicht liegt es darin, dass ich eine Reihe exzellenter Wissenschafter kenne, die jahrein, jahraus Politiker um Geld für die Wissenschaft ersuchen und dabei darauf hinweisen, wie wichtig ihre Arbeit doch für die Gesellschaft sei.

Nur weiß halt die Gesellschaft nichts davon, weil es weder den Wissenschaftern noch ihren Mundstücken, den PR-Beratern und den Öffentlichkeitsarbeitern, gelingt, dem Volk aufs Maul zu schauen und ihm auf seine Art zu erklären, warum Wissenschaft wichtig ist. Sie klagen lieber über die Medien, statt zu begreifen, dass sie denen Geschichten liefern müssen, die irgendwer lesen möchte.

Es ginge also um einen Los-Kauf. Um einen Los-Kauf von der selbstverschuldeten kommunikativen Unmündigkeit der hiesigen Wissenschaft. Den anderen Ignoranz vorzuwerfen, wenn man ihr Geld will, ist nämlich wenig hilfreich.

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