Medizin

Wenn die ärztliche Tätigkeit zur Heilkunst wird

Krebsforschung und Lungentherapie: heimische Wissenschafter zeigen internationales Exzellenzformat

DI ET ER HÖNIG | aus HEUREKA 6/13 vom 04.12.2013

In der Medizin, egal ob im wissenschaftlichen oder im Routine-Bereich, sollte jeder Tag damit beginnen, Gesundheit zu definieren. Was Krankheit ist, lernen wir sowieso im Medizinstudium", sagt Martin Riegler, Leiter der Abteilung für chirurgische Funktionsdiagnostik am AKH Wien.

Nur in Kenntnis dessen, was Gesundheit ist, schaffe man den Rahmen und die Voraussetzungen für eine Heilkunde. Die ärztliche Tätigkeit werde dann zur Kunst, wenn die Ursachen von Krankheiten und damit der Therapien wesenhaft verstanden werden.

Dabei geht es, meint Riegler, vor allem um das Hervorholen von verborgenen Gemeinsamkeiten. Ausgehend von der Anamnese über die Beschwerden führt der Weg über die diagnostischen zu den prognostischen Zeichen.

"Wir haben es hier mit der Urform der Semiotik zu tun. Gelingt es, die Zeichen des Körpers auf das Wesentliche zu übersetzen, fügt sich dies in ein zum Wesen der Erkrankung gerichtetes Vorgehen: der sogenannten ursächlichen Therapie", so Riegler, der sich seit Jahren der Erforschung von Reflux bedingtem Speiseröhrenkrebs widmet.

"Funktionserhalt", so lautete der Titel der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurochirurgie (ÖGNC), die vom 10. bis 12. Oktober 2013 in Innsbruck stattfand.

"Die Neurochirurgie ist ein hochtechnisiertes Spezialgebiet der operativen Medizin. Hier besteht die große Herausforderung etwa darin, die Entfernung eines Gehirntumors zu ermöglichen, ohne Hirnfunktionen zu beeinträchtigen", erklärt Tagungspräsident Claudius Thome, Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie in Innsbruck.

Dieser Funktionserhalt könne heute durch verbesserte mikrochirurgische Operationstechniken, computergestützte Navigation, Messung feinster Ströme in Nervenbahnen sowie durch Gehirnoperationen am wachen Patienten erreicht werden.

"Dennoch gelten viele Hirntumore infolge ihrer diffusen Infiltration in das umgebende Gehirngewebe nach wie vor als unheilbar, sodass intensive Anstrengungen in der Erforschung neuartiger Therapien erforderlich sind", sagt Experte Thome.

Einem Grazer Forscherteam um Andrea Olschewski, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengefäßforschung an der MedUni Graz, gelang es mit der TU Graz erstmals, eine Methode zu entwickeln, mit der Lungenhochdruck mittels Computertomographie-Untersuchung (CT) nicht-invasiv erkannt werden kann.

"Unsere neue Methode erfasst den Blutfluss in der Lungenarterie im Rahmen von Thorax-CT-Untersuchungen, die häufig im Rahmen der Lungendiagnostik bei Lungenembolie oder Lungenkrebs durchgeführt werden", so Andrea Olschewski, die sich seit Jahren mit der Erforschung der Entstehung des Lungenhochdrucks beschäftigt.

Die nun patentierte Methode kann bei Routineuntersuchung angewendet werden. "Das Verfahren könnte zu einem deutlich früheren Erkennen von Lungenhochdruck beitragen." Außerdem arbeitet die mit internationalen Forschungspreisen ausgezeichnete Anästhesistin und Intensivmedizinerin an neu zu entwickelnden Medikamenten für die Lungenzirkulation.

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