Haidingers Hort der Wissenschaft

Schwindlige Exzellenzen

Martin Haidinger | aus HEUREKA 6/13 vom 04.12.2013

Unter "Exzellenz" stelle ich mir weniger ein Gütesiegel denn einen ältlichen Bischof oder einen von gelinder Eintrocknung befallenen Diplomaten vor, der den Herrscher demenzgeplagt mit "Seine Kajestät, der Maiser" tituliert.

So wie ich bei dem häufig von Korruptionsbekämpfern und politischen Sittenwächtern verwendeten Begriff "Transparenz" nicht an die brave Offenlegung von wichtigen politischen oder wirtschaftlichen Vorgängen, sondern an - lassen wir das ...

Es ist so eine Sache mit den Attributen für Unternehmungen und Einrichtungen in der Wissenschaft, die modenabhängig einmal als "Spitze" oder gar als "Welt-Spitze" oder "Welt-Klasse" bezeichnet werden.

Bezahlt man für die Erfindung solch bombastischer Punzen gar teure Werber?

Bei mir und wohl auch bei vielen anderen Sattgehörten verpufft der Zauber jedenfalls.

So prallt die beabsichtigte Wucht des Wortes an der Wand profan-lächerlicher Assoziationen à la "exzellent" und "transparent" ab.

Es könnte bei Übelmeinenden der Verdacht aufkommen, dass, je überladener die Bezeichnungen für bestimmte Unternehmungen geraten, desto schwindliger und zweifelhafter der tatsächliche Gehalt ist.

Dazu ein Beispiel: Bei Recherchen über wohltätige Ritterorden stieß ich auf das "Knights of Malta Cable Car Chapter" - also die Malteser Ritter vom Orden der Seilbahn.

Als ich endlich wieder aus dem Lachen heraus war und näher nachforschte, entpuppte sich der Seilbahnorden nicht als der erwartete, exklusive Bund soignierter älterer Aristokraten in malteserkreuzgeschmückten Roben, sondern als szenebewährter Club von Motorrad-Enthusiasten in den USA.

Nichts läge mir ferner, als irgendwelche "Centers of Excellence" als Kuckuckseier zu denunzieren.

Aber es fällt doch auf, dass anerkannte und bewährte Institutionen wie zum Beispiel die "Akademie der Wissenschaften" noch immer nicht "Exzellenz-Akademie der Spitzenwissenschaften" heißen müssen, um gut zu sein.

Auch für die Forschung sollte gelten - wie der Vorsitzende des Österreichischen Wissenschaftsrates, Jürgen Mittelstraß, auf Seite 3 ausführt -, dass möglichst die Schlichtheit im Wort der Partner von der Hochleistung in der Tat sei.

Andernfalls bliebe nur noch das Chanson "Paroles, paroles" der italienisch-französischen Sängerin Dalida anzustimmen:

"Worte, Worte, Worte, Worte, Worte, und immer wieder Wörter, die du in den Wind säst

Martin Haidinger ist Historiker, Wissenschaftsjournalist bei Ö1 und Staatspreisträger für Wissenschaftsjournalismus

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige