Kommentar

Leistungsfähigkeit von Wissenschaft

Jürgen Mittelstrass | aus HEUREKA 6/13 vom 04.12.2013

Wissenschaft weiß, wo ihre Spitzen sind; sie übt sich Tag für Tag in der Beurteilung wissenschaftlicher Leistungen und geht in der Regel sparsam mit ihrer Sprache um. Nüchternheit ist ihr Markenzeichen, nicht Überschwang.

Aber das mag sich derzeit ändern. Wo alle Welt in Superlativen schwärmt, rüstet auch die Wissenschaft terminologisch auf, gewinnt sie der Selbstdarstellung ganz neue Farben ab. Auf einmal wimmelt es auch in ihrer Sprache nur so von Exzellenz. Lernprozesse im Rhetorischen gehen erstaunlich schnell.

Tatsächlich vernichtet ein inflationärer Gebrauch der Exzellenzvokabeln gerade das, was sie doch hervorheben soll: die ganz besondere, damit auch eher seltene Leistung oder erwiesene Leistungsfähigkeit. Um die aber geht es. Sie zeigt sich im Wettbewerb mit den Besten - mit den besten Köpfen und den besten Einrichtungen -, und sie zeigt sich in der Fähigkeit zur Kooperation, wo es darum geht, unterschiedliche wissenschaftliche Kompetenzen in Problemlösungszusammenhängen miteinander zu verbinden. Außerdem benötigt sie ein Umfeld, das sich durch hohe Qualität auszeichnet.

Es gibt Forschungsparadiese und Forschungswüsten -auch wenn es die Paradiese unter finanziellen Zwängen immer schwieriger haben und es den Wüsten immer wieder gelingt, sich als vermeintliche Paradiese darzustellen. Immerhin gehört ja auch die Fata Morgana zur natürlichen Ausstattung von Wüsten. In Wahrheit gedeihen auf öden Flächen große Leistungen nur selten. Das Außerordentliche setzt auch in der Wissenschaft viel Qualität voraus, und eben diese Voraussetzung ist seltener realisiert, als wir denken und wünschen mögen.

Also sollte die außerordentliche Leistung nicht nur das stets Angezeigte, sondern auch das stets zu Fördernde sein, nennen wir sie nun groß, maßgebend oder exzellent. Auf die Wörter kommt es nicht an, solange wir nur wissen, was eine besondere, Wissenschaft und Forschung weiterbringende Leistung ist.

Und eben darum, um die besondere Leistungsfähigkeit von Wissenschaft und Forschung, ferner um die Stellung Österreichs in dieser Frage, ging es auf der Tagung des Österreichischen Wissenschaftsrates zum Thema Exzellenz in der Wissenschaft.

Jürgen Mittelstraß ist Vorsitzender des Österreichischen Wissenschaftsrates

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