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Spitzenlehre

Florian Freistetter | aus HEUREKA 6/13 vom 04.12.2013

In der Wissenschaft laufen die Dinge manchmal so wie im Fußball. Wenn ein Verein erfolgreich sein will, kann er entweder Spitzenspieler aus der ganzen Welt einkaufen. Oder er investiert Geld in Nachwuchsarbeit und bildet die eigenen Spieler zu Top-Fußballern aus. Auch die Universitäten eines Landes können Spitzenforscher aus aller Welt auf Professorenposten berufen und so den wissenschaftlichen Output erhöhen. Nachhaltiger wäre es allerdings, wenn die zukünftige wissenschaftliche Elite an den eigenen Universitäten ausgebildet wird. Dazu muss man aber für eine vernünftige Lehre sorgen, und daran hapert es in Österreich immer noch ein wenig.

Für die persönliche Karriere eines Wissenschafters spielt Engagement in der Lehre kaum eine Rolle. Vorlesungen werden zwar evaluiert, schlechte Ergebnisse haben aber selten Folgen. Das derzeitige System zwingt die Wissenschafter zu lehren, selbst dann, wenn sie es eigentlich nicht können. Und die Universitätsmitarbeiter, die das Zeug dazu haben, können sich das Engagement in der Lehre oft nicht leisten, weil dann nicht genug Zeit für die Forschung bleibt. Solange die Karriere weiterhin fast ausschließlich am wissenschaftlichen Output beurteilt wird, ändert sich daran nichts.

Dabei wäre es einfach, für bessere Lehre zu sorgen. Man muss nur damit anfangen, die Forscher entsprechend ihrer Fähigkeiten einzusetzen. Warum keine speziellen Lehrprofessuren für die Wissenschafter einrichten, die wirklich gute Vorlesungen halten können und das auch gerne tun? Sie können sich dann verstärkt auf die Lehre konzentrieren, ohne dabei befürchten zu müssen, ihrer eigenen Karriere zu schaden. Es muss sich nicht einmal um reine Lehrprofessuren ohne Forschungsarbeit handeln. Es würde schon reichen, wenn der Schwerpunkt entsprechend verschoben und Lehrprofessoren anhand ihres Engagements in der Lehre beurteilt werden.

Jene Wissenschafter, die jedoch in der Lehre weniger begabt sind, können in Ruhe ihrer Forschungsarbeit nachgehen, ohne sich mit Vorlesungen quälen zu müssen, von denen weder sie noch ihre Studierenden profitieren.

Nachhaltige Spitzenforschung kann nur über entsprechend hochwertige Lehre erreicht werden. Aber diese gibt es nur dann, wenn auch die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden.

Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/ astrodicticum-simplex

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