Schluss mit Sex? Das Glossar

Kommen doch Designerbabys mit dem Aussehen eines überwuzelten Genies und dem Intellekt einer Abrissbirne?

JOCHEN STADLER | aus HEUREKA 1/14 vom 02.04.2014

Adam und Eva

Asexuell aus Humus beziehungsweise durch Klonen erschaffene Urahnen der Menschheit.

Asexuell

Partnerloses Fortpflanzen bei Gewächsen oder Abwesenheit von Fortpflanzungstrieben bei Menschen.

Ballastexistenz

Abgrundtief grausliche Bezeichnung der Nationalsozialisten für Menschen mit Behinderung, die Nazi-Ärzte und -Pfleger zu Zigtausenden sterilisierten und ermordeten.

Beginn des Lebens

Je nachdem, ob man katholisch, islamisch, jüdisch, evangelisch oder Udo Jürgens ist, fängt man mit der Verschmelzung von Samen-und Eizelle ein bis vier Monate danach, dem 40. Tag in der Gebärmutter, allmählich oder mit 66 Jahren zu leben an.

Behinderung

Nachteil im Leben, an dem auch die Gene schuld sein können.

Besamung/Insemination

Versuch, eine Eizelle an ihrem angestammten Platz in der Gebärmutter künstlich zu befruchten.

Chorionzottenbiopsie

Sogenannte Chorionzottenzellen aus dem Mutterkuchen werden entnommen und nach genetischen Veränderungen untersucht, weil ihr Erbgut ident mit dem des Ungeborenen ist.

Designerbaby

Mischung aus Kind mit dem Aussehen von Miley Cyrus und dem Hirn Einsteins, das von Wissenschaftern im Reagenzglas gezeugt wurde. Geistert trotz technischer Unmöglichkeit und allgemeiner Ablehnung durch die Medien -vermutlich weil Angst besteht, dass durch Verwechslungen ein Ebenbild Einsteins mit dem Intellekt einer Abrissbirne das Licht der Welt erblickt.

Embryo

Mensch zwischen der Befruchtung und der neunten Woche im mütterlichen Bauch.

Fruchtwasseruntersuchung/Amniozentese

Mit einer dünnen Nadel nehmen Mediziner dabei durch den Bauch einer Schwangeren Fruchtwasser aus der Fruchtblase, weil hier Zellen des Kindes herumschwimmen. So kann sein Erbgut noch vor der Geburt untersucht werden.

Gendrift

Würfelergebnis, das zusätzlich zur natürlichen Selektion den Zufall in die Evolution der Lebewesen bringt.

Gentest

Erbgutuntersuchung, die hilft, den leiblichen Vater zu bestimmen, Erbkrankheiten und die Anlagen dafür zu erkennen, Leichen oder die Besitzer von Haaren, Blut und Speichel an einem Tatort zu identifizieren sowie zu testen, ob das Bio-Kalbsschnitzel im Supermarkt nicht von einer Sau stammt.

Geschlechtsbestimmung

Funktioniert bei den Menschen durch Geschlechtschromosomen, bei Krokodilen und Schildkröten über die Bruttemperatur ihrer Eier und bei manchen Insekten durch die Ansteckung mit Bakterien.

Geschlechtschromosom

Bei Menschen wegen ihrer Form X und Y getauft. Sie werden zufällig auf die Spermien verteilt. Je nachdem, welches davon zuerst die Gunst der Eizelle gewinnt (die stets ein X- Chromosom trägt), ist man Mann (XY) oder Frau (XX).

Geschlechtsverkehr

Meist ungezwungenes Zusammenkommen von Geschlechtsträgern zum Zweck der Lust und/oder Produktion von gemeinsamen Nachkommen.

In-vivo-Fertilisation

Beischlaf unter Lateinern, Biologen oder Medizinern (Anm: zwecks leichterer Lesbarkeit wurden hier die männlichen Formen verwendet und die weiblichen nicht ausdrücklich angeführt).

In-vitro-Fertilisation/künstliche Befruchtung

Von Medizinern im Reagenzglas arrangiertes Date zwischen Spermien und Eizelle. Dazu werden der Frau nach einer Hormontherapie Eizellen entnommen. Der Mann steuert seine Spermien entweder per Masturbation bei, oder die Ärzte gewinnen sie mit einem chirurgischen Eingriff aus den Hoden.

Jungfernzeugung

Fortpflanzung im Alleingang, die manche Truthennen, Haidamen und Blattläusinnen beherrschen. Sie können ihren Eizellen durch Hormone eine Schwangerschaft vorspielen, damit diese ohne Befruchtung zu Nachkommen reifen.

Klon

Ableger mit kopiertem Erbgut. Bei Pflanzen, Bakterien und Polypen entstehen sie auf natürliche Art, bei Säugetieren helfen Menschen nach -etwa 1996 beim Hausschaf Dolly. Mittlerweile ist fast kein Hund, Rennpferd und Kamel davor sicher, geklont zu werden. Manche, wie der Österreicher Karl Illmensee, wollen damit auch vor Menschen nicht haltmachen.

Leihmutter

Frau, die in ihrer Gebärmutter neun Monate lang einen Mieter beherbergt und so einer anderen Frau Nachwuchs beschert. In Österreich ist dies erstens verboten, zweitens gilt laut Gesetz jede gebärende Frau als leibliche Mutter, egal, ob das Kind von ihr stammt oder nicht.

Mutationen

Veränderungen im Erbgut, die meist unbemerkt bleiben, aber manchmal Krankheiten auslösen oder aus einer braven Körperzelle einen Tumorherd machen, aber auch zur Entstehung von Menschen aus affigen Vorfahren führten.

Nabelschnurpunktation

Durch die Bauchdecke entnommene Nabelschnurblutprobe. Damit kann man feststellen, ob ein Kind im Mutterleib an Blutarmut oder an einer Infektion leidet und sein Erbgut untersuchen.

Nackentransparenz

Auf Ultraschallbildern wird dabei eine Flüssigkeitsansammlung beäugt, die Ungeborene zwischen der 11. und der 14. Schwangerschaftswoche im Genick haben. Es kann ein Hinweis auf Fehlbildungen sein, wenn sie auffällig vergrößert ist.

Organscreening

Inspektion von Ungeborenen auf Herz und Nieren, Bauch und Po mit hochauflösenden Ultraschallgeräten. Damit können die Mediziner sogar erkennen, ob das Kind eine Gaumenspalte hat oder an Verstopfung leidet.

Präimplantationsdiagnostik/PID

Gentest an künstlich gezeugten Embryos, bevor sie in die Gebärmutter dürfen. Wird weltweit bei Paaren durchgeführt, wenn beide Partner (Über-)Träger einer schweren Erbkrankheit sind. In Österreich nicht ausdrücklich verboten, aber auch nicht wirklich erlaubt.

Pränataldiagnostik/PND

Medizinische Kontrolle und Suche nach Auffälligkeiten an Kindern im Mutterleib anhand von Ultraschallbildern oder Gewebsproben aus dem Fruchtwasser, von Chorionzotten und der Nabelschnur.

Polkörperdiagnostik

Methode, um eine Eizelle vor der künstlichen Befruchtung zu untersuchen. Das ist freilich nur die halbe Wahrheit, weil krankmachende Erbfaktoren vom Vater unerkannt bleiben. Bei uns trotzdem verbreitet, weil hier die aussagekräftigere Präimplantationsdiagnostik verboten ist.

Reproduktive Reise

Klassische Flitterwochen oder Reise eines Paares ins Ausland, um eine in Österreich verbotene Präimplantationsdiagnostik samt einer künstlichen Befruchtung durchführen zu lassen.

Retortenbaby

Im Reagenzglas gezeugtes Kind. Das weltweit erste heißt Louise Joy Brown und kam 1978 in England zur Welt, das erste Österreichs namens Zlatan Jovanovic vier Jahre später. Heute haben die beiden weltweit mehr In-vitro-Geschwister als Wien, Nieder-, Oberösterreich und das Burgenland Einwohner haben.

Rettungsgeschwister

Kind, das künstlich gezeugt und anschließend danach ausgewählt wurde, dass es einem oft sterbenskranken Geschwisterchen Blut-oder Knochenmarksstammzellen spenden kann.

Samenspende

Masturbation nicht zwecks Selbstbefriedigung, sondern für den Erhalt der Menschheit.

Social Sexing

Auswahl von Buben oder Mädchen durch Präimplantationsdiagnostik, um eine Bilderbuchfamilie zusammenzustellen. In den USA angeblich Grund für jede zehnte solche Prozedur.

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