Editorial

CHRISTIAN ZILLNER | aus HEUREKA 1/14 vom 02.04.2014

Ein Paradox, das uns die Wissenschaft mit ihren unterschiedlichen Disziplinen einbrockt, lautet so: Einerseits postuliert die Evolutionstheorie ständige Veränderung -und die gilt ja wohl auch für uns Menschen. Andererseits ermahnen uns Ökologie, Ethik und was weiß ich noch alles, doch darauf zu schauen, dass alles beim Alten bleibt. Nehme ich den ersten Fall ernst, kann ich davon ausgehen, dass Menschen künftig anders aussehen, denken und leben werden als jetzt. Vielleicht schauen wir wie Ratten aus, die schweben können, und befassen uns mit Sprachanalyse als Volkssport. Halte ich mich an die Aufforderungen des zweiten Falles, habe ich die dauerbrütende Metapher vom Menschsein zwischen Engeln und Tieren. Oiso, des find i fad. Womöglich ist man als Grautier mit vier Buchstaben (genau: "Egel"!) zu sehr am Unbekannten interessiert und möchte den Menschen selbst nur als evolutionären Schritt zu einer weiteren Spezies sehen. Allerdings scheinen diesen Wunsch viele zu teilen, was die Anstrengungen in Gentechnik und Biotechnologie zumindest plausibel macht. Sonst könnten sie ja alle den Tag lang beten. Den Menschen als die Krone der Schöpfung zu sehen, halte ich für falsch. Für mich ist er bestenfalls ihr Kronenkorken.

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