Kommentar

Verspielen wir den Ruf in der Wissenschaft?

HELGA NOWOTNY | aus HEUREKA 1/14 vom 02.04.2014

Österreich liegt bei Wissenschaft und Forschung gut im europäischen Mittelfeld, so lautet die Diagnose. An sie schließt sich die Frage an: Können wir nicht mehr oder wollen wir nicht mehr?

Sieht denn weder die Öffentlichkeit noch die Politik, wie riskant es gerade bei den anstehenden Budgetverhandlungen ist, die Versicherungspolizze für Österreichs Zukunft, nämlich die Investitionen in Forschung und Bildung, nicht einmal zu diskutieren, geschweige denn zu finanzieren?

Dabei lässt sich das bisher Erreichte durchaus sehen: Spitzenleistungen in der Physik in Wien und Innsbruck; die internationale Attraktivität, die der Life-Sciences-Cluster in Wien inzwischen erreicht hat; das IST Austria, das seine Stellung als eine in Österreich einmalige Spitzeninstitution international gefestigt hat; und noch einiges mehr an heimischen Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen.

Nicht zu vergessen ist auch das Aufholen in der Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft durch die vielen thematischen Programme, die es den Unternehmen und Universitäten oder Fachhochschulen ermöglicht, gemeinsam an neuen Produkten und Dienstleistungen zu arbeiten. Doch auch hier scheint Österreich in der Innovationstabelle, dem Innovation Union Scoreboard, als innovation follower und nicht als leader auf.

Für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist es nach Jahrzehnten gelungen, junge ForscherInnen für den internationalen Wettbewerb, der nun einmal in der Wissenschaft ausschlaggebend ist, gut auszubilden und, vorwiegend dank der Förderung durch den FWF, entsprechend vorzubereiten.

Daher ist der jetzige Zeitpunkt kritisch: Wird der FWF - und damit die Grundlagenforschung in Österreich -im kommenden Budget nicht entsprechend dotiert, wird unweigerlich eine Abwanderungswelle der besten NachwuchsforscherInnen einsetzen. Österreich kann seinen Ruf als attraktiver Ort in der europäischen Forschungslandschaft schnell wieder loswerden. Dabei ist das enorme Potenzial noch gar nicht berücksichtigt, das durch eine innovative Vernetzung zwischen Ergebnissen der Grundlagenforschung und wirtschaftlicher Umsetzung auch hierzulande vorhanden ist.

Kurzum, die Zeit drängt. Im Mittelfeld zu sein mag beruhigen, solange man von der Spitze nicht abgehängt wird. Dafür gibt es keine Garantie. Daher ist eine klare Antwort dringend fällig: Wollen wir wirklich absteigen oder können wir doch anders?

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige