Freistetters Freibrief

Sehr peinlich

FLORIAN FREISTETTER | aus HEUREKA 1/14 vom 02.04.2014

52 Prozent der ÖsterreicherInnen geben laut "Spezial Eurobarometer 401" an, weder an Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie interessiert noch darüber informiert zu sein. Nur die Menschen in Bulgarien, Tschechien, Ungarn und Rumänien sind noch weniger an Wissenschaft interessiert als jene in Österreich. Man kann das als Fortschritt betrachten, denn bei der letzten Umfrage 2010 war Österreich mit 57 Prozent noch EU-Spitze in Sachen Wissenschaftsignoranz. Aber auch dies ändert nichts daran, dass sich die Mehrheit der Menschen in diesem Land nicht für Wissenschaft interessiert und auch kein Interesse daran hat, informiert zu sein.

Das ist peinlich für Österreich. Aber auch nicht überraschend. Die Wissenschaft hat hierzulande schon lange kein gutes Image mehr. Wissenschaftsminister haben in der Vergangenheit Esoteriker mit Orden ausgezeichnet und wollten aus internationalen Organisationen wie dem Kernforschungszentrum CERN austreten. Die finanzielle Förderung der Grundlagenforschung wurde immer wieder gekürzt, der ORF legte die Redaktionen von Religion und Wissenschaft zusammen und die neue Regierung die Ministerien für Wirtschaft und Wissenschaft. Im Technischen Museum Wien wird der "Tag der Astrologie" gefeiert. Von den Wissenschaftern selbst einmal abgesehen, scheint kaum jemand in diesem Land Wissenschaft ernst zu nehmen.

Dabei sind Forschung und Wissenschaft wichtig wie nie zuvor. Wir müssen uns Gedanken über Stammzellenforschung, Gentechnik, erneuerbare Energien, Nanotechnologie und andere Dinge machen, die unsere Gesellschaft verändern. Wie aber sollen die Menschen eine informierte Entscheidung über ihre Zukunft treffen, wenn die Mehrheit kein Interesse an der Wissenschaft hat? Man muss ihnen die Faszination daran zurückgeben. Das geht nur, wenn Forschung Teil der Gesellschaft wird. Die wissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit muss massiv verstärkt werden. Veranstaltungen wie die "Lange Nacht der Forschung" am 4. April sind wichtig, aber in ihrer Isolation kaum geeignet, das Desinteresse der Bevölkerung dauerhaft abzubauen. Statt einzelner Events braucht es permanentes Engagement. Sowohl von Wissenschaftern als auch von Politikern.

Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex

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