Zoologie

Wozu bitte müssen Nilpferde kastriert werden?

Wie bei ihren entfernten Verwandten, den Walen, sind die Hoden bei männlichen Flusspferden schwer zu finden

USCHI SORZ | aus HEUREKA 1/14 vom 02.04.2014

Vorzugsweise hält sich ein Flusspferd (Hippopotamus amphibius) im Wasser auf. Dafür ist es mit seiner dicken Haut auch perfekt ausgestattet.

Andere Anpassungen seines Körpers an den nassen Lebensraum besorgen Tiermedizinern allerdings Kopfzerbrechen, denn sie erschweren die Kastration der männlichen Tiere - in Zoos das Mittel der Wahl bei der Geburtenkontrolle der Schwergewichte. Gerade in Gefangenschaft vermehren sich die in der freien Natur vom Aussterben bedrohten Hippos nämlich bestens. Und welcher Tiergarten könnte schon die bis zu 25 Jungtiere aufnehmen, die so ein Flusspferdweibchen im Laufe seines etwa 40-jährigen Lebens auf die Welt bringen kann?

Was man als Laie kaum vermuten würde: Flusspferde sind entfernt mit Walen verwandt. Das ist auch an ihrer Anatomie und Physiologie erkennbar. Während sich die Hoden bei Walen im Inneren des Bauchraums befinden, "verstecken" Flusspferde die ihren im Leistenkanal. Man kann sie kaum sehen oder ertasten.

Eine andere Schwierigkeit für Veterinäre ist ihr Atemsystem. Bei Tauchaktionen können sie zwar problemlos mit Sauerstoffmangel umgehen, Narkosemittel vertragen sie aber schlecht.

Bereits im Jahr 2012 hat ein Team um Chris Walzer von der Vetmeduni Wien ein Narkoseprotokoll für diese Tierart veröffentlicht, das die Injektion von genügend Narkosemittel durch ihre dicke Haut zulässt. Nun haben die Wissenschafter vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie auch eine neue Kastrationsmethode entwickelt und im Fachjournal Theriogenology publiziert: Beim Eingriff an zehn tierischen Probepatienten haben sie zur Lokalisierung der Hoden Ultraschall eingesetzt. "Das war essenziell", sagt Chris Walzer. "Denn die Hoden sind nicht nur schwer auffindbar, sondern können während der Operation auch immer wieder ihre Position verändern."

Erwartungsgemäß haben sich die robusten Hippos rasch erholt und konnten sich bald wieder in ihrem Schwimmbecken vergnügen. "Wir haben eine effektive und sichere Methode entwickelt, um die Vermehrung dieser beliebten und ungewöhnlichen Tierart im Zoo im Zaum zu halten", resümiert Walzer. Nützlicher Nebeneffekt: Der Eingriff bremst auch die Aggression der Männchen untereinander.

"Die Hoden können während einer OP immer wieder ihre Position ändern." Chris Walzer, Vetmeduni Wien

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