Brief aus Brüssel

EMILY WALTON | aus HEUREKA 2/14 vom 28.05.2014

Ob Kommission, Rat oder Parlament: In den EU-Institutionen wird oft darüber gesprochen, wie Andere mit den zahlreichen Daten der EU-Bürger umgehen. Neue, einheitliche Datenschutzvorschriften sollen her, damit der Einzelne Rechte gegenüber den Datenkraken hat.

Fein. Wunderbar. Sehr lobenswert. Und wenn sich die EU-Einrichtungen schon intensiv mit der Datensammelwut von Google, Facebook &Co. befassen -dann sollten sie auch gleich daran arbeiten, wie sie "Big Data" selbst vernünftig nutzen können.

Zum Beispiel in der Kommission: Der gelbe Journalisten-Ausweis, der Korrespondenten Zutritt zu den EU-Institutionen verschafft, muss jedes Jahr verlängert werden. Verständlich, schließlich will man keine Karteileichen.

Trotzdem: Jedes Jahr bestätigen, dass man noch immer denselben Geburtstag und Geburtsort hat wie im Vorjahr? Vom Reisepass, der noch sechs Jahre gültig ist, wieder eine Kopie vorlegen?

Was soll's, man beugt sich, bringt die geforderten Unterlagen rechtzeitig, vollständig und ordentlich sortiert vorbei -mit dem Ergebnis, dass man sie Wochen später noch einmal bringen muss: Auf wundersame Weise ist der ganze Packen vom Schreibtisch der Akkreditierungsfrau, wo man ihn eigenhändig abgelegt hat, verlorengegangen.

Als die zuständige Dame meinen englischen Pass sieht, kann sie sich ein "Komisch, bei allen Deutschen hat es problemlos geklappt ..." nicht verkneifen.

Also noch einmal ausfüllen, kopieren und vorbeibringen. Hat noch nie einer an ein Online-Formular gedacht, bei dem man bestätigen kann, was gleichgeblieben ist und nachreicht, was sich geändert hat?

Bei der rotierenden EU-Ratspräsidentschaft sind sie schon einen Schritt weiter: Sie haben Online-Formulare.

Und sind von diesen elektronischen Akkredidierungsmitteln offenbar so begeistert, dass man alle sechs Monate für jede Präsidentschaft dieselben Daten (genau jene, welche die Kommission schon hat) neu eintragen, dieselbe Passkopie und dasselbe Passfoto hochladen muss.

Auf die Spitze treiben es die gerade präsidierenden Griechen: Ein Ministertreffen Dienstag/Mittwoch und eines Freitag/Samstag -das heißt? Richtig: Zweimal akkreditieren. Zweimal angeben, in welchem Hotel man wohnt. Vier Bestätigungsmails bekommen. Völlig verwirrt sein.

Noch Fragen, wieso es Big Data heißt?

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