Kognitionsbiologie

Vom Brummen und Quieken der Fische

Ein österreichischer Biologe erforscht die Laute und das Hörvermögen von Amazonasfischen

SABINE EDITH BRAUN | aus HEUREKA 2/14 vom 28.05.2014

Das mit dem Sprichwort - "Stumm wie ein Fisch" - stimme so nicht, denn schon Aristoteles habe festgestellt, dass Fische Laute produzieren, weiß Walter Lechner. Der Kognitionsbiologe befindet sich zurzeit in Manaus, wo er am Zusammenfluss von Amazonas und Rio Negro das Hör-und Lautbildungsvermögen von Welsen erforscht.

"Nimmt man manche Fische in die Hand, hört man sie brummen oder quieken", sagt Lechner. Alle Fischer wüssten das. Wenngleich ihr Repertoire an Lauten beschränkt ist, verfügen Fische über eine enorme Vielfalt an Mechanismen zur Lautbildung. Der bekannteste ist der Schwimmblasenmechanismus: Muskeln bewegen die Schwimmblase -das Ergebnis sind vielerlei Formen des Trommelns.

"Es gibt auch Fische, die Laute mit Knochenplättchen auf der Schwimmblase erzeugen, mit Muskeln in der Schwimmblase, durch Knochenreiben, Kiefernreiben oder einen Sehnenzupfmechanismus in der Brustflosse. Bei einigen Arten weiß man noch gar nicht, wie sie die Laute produzieren."

Die Gründe für die Lauterzeugung sind manchmal nicht verständlich. "Vieles ist Revierverteidigung oder auch Balzverhalten oder eine Schreckreaktion", sagt Lechner. Aufgenommen werden die Fischlaute mit einem wasserdichten Kristallmikrofon.

Schwierig ist die Feststellung des Hörvermögens. Fische aus der Gruppe der Otophysi - mehr als die Hälfte der Süßwasserfische -haben die Schwimmblase über eine Kette von Knöchelchen mit dem Innenohr gekoppelt. Das steigert die Hörfähigkeit. "Man nennt dieses System Weberschen Apparat", sagt Walter Lechner.

Gemessen wird das Hörvermögen, indem Hirnströme abgeleitet werden. Das geschieht in Wien. Die Fische werden von professionellen Fischexporteuren über Amsterdam nach Wien transportiert. "Viele Arten sind in Brasilien für den Export verboten, daher brauchen wir Sondergenehmigungen", so Lechner. Der Verwaltungsaufwand sei enorm.

Auf drei Jahre ist das FWF-Projekt angelegt. Geplant sind weiters anatomische Studien der Lautbildungs-und Hörstrukturen sowie die Erforschung einer Welsart, die sowohl im Wasser als auch an Land lebt. Spätestens im Herbst, bei Niedrigwasser, muss Walter Lechner wieder in Brasilien sein: "Zur Hochwasserzeit ist der Fang vieler Arten schwierig bis unmöglich, da erwischt man die Kleinen nicht."

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