Musikpsychologie

Der Flow -und was er beim Musizieren verursacht

Was passiert, wenn die Finger beim Klavierspielen wie von selbst über die Tasten gleiten und Zeit und Raum verschwinden?

USCHI SORZ | aus HEUREKA 2/14 vom 28.05.2014

Flow. So nennt man das, was Menschen erleben, wenn sie selbstvergessen in einer Tätigkeit aufgehen. Höchste Konzentration, Können und Intuition vereinen sich scheinbar mühelos zu einem Höhenflug. Verkürzt gesagt. Wissenschaftlich ist das schon schwieriger zu beschreiben. Allein neun Dimensionen an mentalen, psychischen und physischen Vorgängen unterscheiden Forscher, und jede für sich kann Untersuchungsgegenstand sein.

Unbestritten ist, dass Flow glücklich macht. Und dass man ihn bei allen möglichen Beschäftigungen erleben, aber nicht willentlich herbeiführen kann. Ein bisschen was kann man aber schon dafür tun, im Fall von Musik etwa ein Stück einüben.

"Das individuelle Niveau ist nicht so wichtig, aber es braucht eine gute Balance zwischen den Fähigkeiten und der Herausforderung", bestätigt Manuela Marin von der Universität Wien. "Es darf nicht zu schwierig, aber auch nicht zu leicht sein."

Als eine der wenigen Musikpsychologinnen Österreichs hat sie sich auf das Erforschen von ästhetischem Erleben und Verhalten spezialisiert und kürzlich in einer Studie das Flow-Erleben von Klavierstudenten untersucht. Während der Vater der Flow-Forschung, Mihály Csíkszentmihályi, dieses Phänomen bei bildenden Künstlern und Sportlern seit den Sechzigerjahren ausführlich beschrieben hat, ist in der Musik noch wenig darüber bekannt.

Unter anderem interessiert sich Marin für die Beziehung zwischen Flow, Emotion und der Persönlichkeit von Musikern. Führt emotionale Intelligenz zu mehr Flow, und wie wichtig ist sie für eine Musikerpersönlichkeit? "Sie könnte eine Rolle spielen, weil es ja auch darum geht, Emotionen in der Musik zu erspüren und auszudrücken", so die Grundlagenforscherin. "Und es gibt Hinweise, dass eine längere musikalische Ausbildung mit höherer emotionaler Intelligenz zusammenhängt."

Weil das Glückserlebnis zum Üben motiviert, wächst naturgemäß auch das Können. Dennoch ging ein Zusammenhang mit äußerem Erfolg aus Marins Studie nicht hervor. Diesem Aspekt wird sie daher nun neben weiteren Persönlichkeitsfaktoren in einer Folgestudie mit heimischen Top-Orchestern genauer nachgehen.

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