Haidingers Hort der Wissenschaft

Kill Robinson!

aus HEUREKA 3/14 vom 25.06.2014

Na, meinetwegen", seufzte Robinson, während ihn die Besatzung des Schiffs mit einem Beiboot zu der einsamen Insel rudern ließ. Achtundzwanzig Jahre hatte er es einst nach dem Schiffbruch auf einem abgelegenen Eiland ausgehalten, sich als Selbstversorger und in partieller Gesellschaft seines Kumpels, eines Naturburschen namens Freitag, durchgebracht.

Nachdem ihn endlich Freibeuter entdeckt, aufgefischt und gerettet hatten, war er den rauen Mannen mit seinen beständig dahergeplapperten Abenteuergeschichten 295 Jahre lang dermaßen auf die Nerven gegangen, dass sie beschlossen, ihn wieder loszuwerden und in typischer Piratenmanier auf der nächstbesten Insel auszusetzen. "Dann halt auf ein Neues", dachte Robinson und begann, nachdem die Piraten abgesegelt waren, sofort mit dem ersten Eintrag in sein Tagebuch. "1. Juni 2014, ich bin wieder einmal allein auf einer einsamen Insel im Atlantopazifik, aber als alter Surviver werde ich sofort darangehen zu jagen, eine Hütte zu bauen und einen neuen Freitag zu suchen "

Es dauerte knapp 28 Wochen, bis NCIS-Special-Agent Leroy Jethro Gibbs das Eiland enterte, nachdem die NSA bei einem Routinescan einen menschlichen Leichnam auf der Insel geortet hatte. Gibbs blätterte im dünnen Tagebuch des verwichenen Robinson, der in einem Müllsack aus Plastik, den er offenbar als Schlafsack benutzt hatte, erstickt war.

Robinson, so stand da zu lesen, hatte die Nächte ohne einem schützenden Zelt über dem Kopf verbracht, da er bereits am simplen Ausheben eines Lochs gescheitert war, als sich die vermeintliche Erde als Silikonmasse entpuppt hatte. Anstelle von Pflanzen hatte er auf Styropor (einer Art Talmi-Tofu) herumgekaut, und als tierische Nahrung immerhin Reste von verwestem Faschierten aus Verpackungen berühmter US-amerikanischer Spezialitätenrestaurants herausgekratzt.

An Jagd war nicht zu denken gewesen, denn statt Schusswaffen hatte das Meer lediglich unbrauchbare Werbe-Gimmicks der Rifle Association angespült -Spielzeug-MPs! Machte aber nichts, denn zu jagen gab es da ohnehin kaum etwas. Zu allem Überfluss hatte er sich auch noch heillos verirrt -die Insel war viel größer als angenommen.

Robinson C., so schrieb Gibbs in seinen Bericht, ist auf dem achten Erdteil "Rubbish Island" zugrundegegangen. Bei der letzten Tagebucheintragung von Robinson hatte der Special Agent schmunzeln müssen: "Kein Freitag, aber Ronald McDonald und der IKEA-Elch, die man ebenfalls auf der Insel ausgesetzt hat, leisten mir Gesellschaft und Beistand. Geteiltes Leid ist halbes Leid."

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