Biologie

Nein, keine Langeweile, Chef, mein Gähnen kühlt mein durch Ihre Rede erhitztes Gehirn!

JOCHEN STADLER | aus HEUREKA 3/14 vom 25.06.2014

Dass Gähnen bei Sauerstoffmangel hilft, ist längst widerlegt. Zum Glück gibt es aber eine neue Ausrede, wenn man bei der Rede seines Chefs gähnen muss: "Ich kühle mein Hirn."

Forscher um Jorg Massen vom Department für Kognitionsbiologie der Uni Wien fanden bei Versuchen auf Wiens Straßen heraus, dass die Gähn-Häufigkeit der Menschen "maßgeblich mit der Umgebungstemperatur zusammenhängt, wobei größere Gähn-Zahlen bei höheren Temperaturen berichtet wurden", erklärten sie in der Fachzeitschrift Physiology and Behavior". Sie zeigten im Sommer des Vorjahres und im Winter 2012/13 jeweils sechzig Wienern Bilder von gähnenden Personen und fragten sie, wie oft sie davon angesteckt wurden. Nebenbei maßen die Forscher stets die aktuelle Temperatur.

Während sich im Sommer 25 Personen beim Gähnen ertappt hatten, waren es im Winter nur elf. Diese Erkenntnis würde eine derzeit in Fachkreisen diskutierte Annahme unterstützen, dass Gähnen hilft, das Gehirn zu kühlen, meinen die Forscher.

Eine frühere Studie kalifornischer Kollegen hat gezeigt, dass es dort umgekehrt ist; in Kalifornien gähnt man im Winter öfter. Dann herrschen dort aber ähnliche Temperaturen wie in Wien im Sommer, nämlich um die 20 Grad Celsius. "Es zeigte sich also, dass es nicht um die Jahreszeit geht, sondern dass ansteckendes Gähnen vielmehr von optimalen Umgebungstemperaturen abhängt", so Massen.

Wird es draußen zu warm, kann beim Gähnen das Gehirn nicht mehr gekühlt werden, weil man nur mehr heiße Luft inhaliert. Umgekehrt sei es vielleicht sogar gefährlich zu gähnen, wenn sich die Außentemperatur dem Gefrierpunkt nähert, meint Massen. Also nicht nur, wenn der Chef gerade spricht.

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