Unser Plastikmüll: Das Glossar

JOCHEN STADLER | aus HEUREKA 3/14 vom 25.06.2014

Abbau von Kunststoffen

Normaler Plastikmüll ist biologisch praktisch nicht abbaubar, sondern wird in der Natur nur durch die Strömung in Flüssen, durch Meereswellen und andere mechanische Einflüsse zu Mikroplastik zerkleinert.

Abfallvermeidung

Strategie von Couch-Potatoes, die zu bequem sind, jeden Tag den Müll hinaus-oder hinunterzutragen.

Autonomie

Verschafft in Österreich jeder Gemeinde die Möglichkeit zu entscheiden, wie sie Müll getrennt haben will, was zur Verwirrung der Verbraucher weidlich ausgenutzt wird.

Altpapier

Abfallstoff, den sogar die Wiener fast vollständig in die richtige Mülltonne werfen.

Biokunststoff

Kunststoff aus Mais, Reis oder Zellulose, der oft, aber nicht immer kompostierbar ist. Auch biologisch abbaubares Erdöl-Plastik darf sich so nennen.

Bisphenol A

Weichmacher und Stabilisator für Kunststoffe, der entdeckt wurde, als Substanzen für die Hormontherapie gesucht wurden, die wie das weibliche Sexualhormon Östrogen wirken. Dafür war Bisphenol A (BPA) nicht gut genug, umso mehr wird es in der Kunststoffindustrie verwendet. In der EU sind BPA-hältige Babyflaschen verboten. Die Behörde für Lebenssicherheit bewertet aktuell seine Gesundheitsrisiken aufgrund zahlreicher Studien neu, die krankmachende Effekte von BPA zeigen.

DEHP

Weichmacher, der aus Kunststoffen entweicht und so zum Beispiel aus der Verpackung in Lebensmittel eindringt. Er darf derzeit nicht in Babyartikeln und Spielzeug enthalten sein und ist ab Jänner 2015 in der EU ohne spezielle Zulassung verboten, weil er die menschliche Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen und Ungeborene schädigen kann.

Downcycling

Wenn der Rohstoff beim Recycling an Qualität verliert und nur ein minderwertigeres Produkt daraus hergestellt werden kann -etwa ein Boulevardblatt aus vormaligem Klopapier.

Erdöl

Stoff aus toten Urzeit-Lebewesen, der äußerst unzugänglich in der Erdkruste eingelagert ist, von den Menschen mit großem Aufwand herausgepumpt, quer über den Erdball geleitet, geschifft und gekarrt sowie technisch aufbereitet wird, um das Produkt schließlich größtenteils zu verbrennen und aus einem Bruchteil Gegenstände herzustellen, die einige Stunden bis Jahrzehnte benutzt werden.

Kompostierbarkeit

Bedeutet nach EU-Norm, dass sich Bioplastiksackerl in industriellen Kompostieranlagen in zwölf Wochen zu 90 Prozent aufgelöst haben müssen. Da in der Praxis aber viel kürzer kompostiert wird, sortiert man diese meist vorher aus, um sie mit dem Restmüll zu verbrennen.

Kunststoff

Stoff, der aus Millionen sehr langer, ineinander verschlungener Polymer-Molekülketten besteht, dessen Verwendung exponenziell steigt.

Mehrweg

Abfallvermeidende, aber unbequeme Verpackung wie Pfandflaschen, die man umständlicherweise wieder zurück in den Laden bringen muss, statt sie einfach wie Getränkedosen an den Wegrand zu werfen.

Mikroplastik

Winzige Kunststoffteilchen, die aus Plastikmüll entstehen, wenn er in Fluss und Meer von Wellen und Sonnenlicht zerkleinert wird. Sie werden aber auch in der Waschmaschine von Fleecepullis abgerieben oder zwecks verbesserter Wirkung Zahnpasten und Hautschälkurprodukten zugesetzt.

Müllstrudel

Kreisverkehr für Plastiksackerln, Einwegrasierer, Zahnbürsten, CD-Hüllen, Feuerzeuge und andere Gegenstände im Nordpazifik, der so groß sein soll wie Österreich, Deutschland und Italien zusammen.

Mülltrennung

Sortierspiel, das in den Bundesländern meisterlich und in der Hauptstadt drittklassig beherrscht wird.

Müllverbrennung

Dient dazu, das Müllvolumen, das auf Deponien gelagert werden muss, zu reduzieren sowie Strom und Wärme zu gewinnen.

Nylon

Kunststoff, um dessen Namen sich Mythen ranken, stammt er weder von den Anfangsbuchstaben New Yorks und Londons noch vom Ausruf seines amerikanischen Erfinders "Now You Look Old Nippon"(Japan, jetzt siehst du alt aus mit deiner Naturseide).

Obsoleszenz

Weil etwa ein Handy ziemlich bald obsolet, also veraltet ist -zu dick oder zu wenig breit, zu viele Tasten, zu grau oder zu farbig, weder Kamera noch GPS und WLAN -, und es viel besser aussieht, wenn man seinen tellergroßen Tabletrechner zum Telefonieren ans Ohr hält, müssen Kunden in immer kürzeren Abständen immer teurere Geräte kaufen und den Herstellern Gewinne bringen.

PET-Flaschen

Ein-oder Mehrweg-Flaschen aus Polyethylenterephthalat für Getränke, die entgegen anderslautenden Gerüchten in den Müllverbrennungsanlagen nicht wieder zum Restmüll gegeben werden, um dessen Heizwert zu steigern.

Plastiksackerl

Mit zweifelhaftem Ruf ausgestattetes Transportbehältnis für Einkaufswaren, das im Schnitt 25 Minuten lang benutzt wird und 400 Jahre in der Umwelt überdauern kann.

Polymer

Ein Stoff, der aus langen, schnurförmigen oder verzweigten Ketten aus sich stets wiederholenden Grundbausteinen besteht.

Recycling

Disziplin, in der das rohstoffarme Österreich aus der Not eine Tugend gemacht hat und europaweit mit einer Gesamtrecyclingquote von knapp 63 Prozenten (2011) führend ist.

Recycling-Code

Eine zweistellige Nummer in einem Dreieck aus drei geknickten Pfeilen verrät für alle, die es nicht auf andere Art erkennen, ob eine Flasche aus grünem, braunem oder farblosem Glas ist, die Einkaufstüte aus Papier oder Baumwolle besteht, und dient zur Unterscheidung von sieben verschiedenen Kunststoffen zwecks Recycling.

Reparatur

Bis Ende des vorigen Jahrhunderts ein gebräuchlicher, von Privaten und Professionisten betriebener Aufwand, kaputtgegangene Einzelteile zu ersetzen, Verschleißteile zu erneuern und die Funktionstüchtigkeit von Geräten mittels handwerklicher Fähigkeiten wiederherzustellen. Wird heute schon beim Produktdesign weitgehend verhindert.

Restmüll

Container, der alles frisst, was man nicht trennen soll oder will.

Schießbaumwolle

Grundstoff für den vermutlich ersten Biokunststoff, aus dem ab 1869 Billardkugeln hergestellt wurden. Solche Zelluloidkugeln knallten angeblich bei dem Zusammenstoß wegen des hohen Anteils an Schießbaumwolle manchmal so heftig, dass Cowboys reflexartig ihre Colts zogen.

Sondermüll

Elektroschrott, Asbest und andere Problemstoffe, die in Industrieländern teuer entsorgt oder schnell und billig in Entwicklungs-und Schwellenländer abgeschoben werden.

Stabilisatoren

Zusätze in Kunststoffen, die etwa verhindern, dass Luftsauerstoff, Hitze und UV-Licht seine Polymer-Ketten zerlegen, oder sie weniger brennbar machen.

Tiefsee

Weitgehend unerforschte, aber längst zugemüllte Ozeanwelt mehr als 800 Meter unter dem Meeresspiegel.

Tierkörperverwertung

Recycling von Waldi, Mietzi und Schlachtabfällen zu Brennstoff für Kohlekraftwerke, Dünger, Schmierfett und Biogas.

Upcycling

Wenn beim Recycling ein höherwertiges Produkt aus dem wiederverwerteten Rohstoff erzeugt wird, etwa ein Hightech-Outdoor-Fleecepulli aus PET-Flaschen.

Verpackung

Schutz-und Präsentierhülle, die um ein Vielfaches größer und ansprechender sein kann als ihr Inhalt.

Weichmacher

Machen die Polymer-Ketten von Kunststoffen beweglicher, dadurch sind sie weniger spröde und brechen nicht so leicht.

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