Bioplastik ist, verglichen mit Erdöl, zu teuer

Hannes Frech vom Institut für Naturstofftechnik des ITA Tulln, über eine Alternative zu Erdöl-Plastik

JOCHEN STADLER | aus HEUREKA 3/14 vom 25.06.2014

Woraus sind Biokunststoffe gemacht?

Hannes Frech: Aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Zucker oder Zellulose. Sie können aber auch zum Teil oder vollständig aus Erdöl bestehen.

Und was ist dann ,bio'?

Frech: Dass sie kompostierbar sind. Was bedeutet, dass sie in einer Industriekompostanlage nach drei Monaten zu 90 Prozent verschwunden sein müssen. Das heißt aber nicht, dass sich Bioplastiksackerln im Komposthaufen oder in der Natur in absehbarer Zeit auflösen.

Und jene aus nachwachsenden Rohstoffen?

Frech: Da gibt es zum Beispiel PLA-Bioplastik, das aus Maisstärke hergestellt wird und kompostierbar ist. Im Gegensatz dazu ist Biopolyethylen, ein sehr guter Biokunststoff aus Zuckerrohr, nicht biologisch abbaubar. Ich finde es in Österreich durchaus sinnvoll, weiterhin herkömmliche Kunststoffe einzusetzen und diese nach Gebrauch zu recyceln. Hier gibt es überall Sammelbehälter für Erdölkunststoff, aber nicht für Biokunststoffe, weil die Menge davon viel zu gering ist.

Welchen Anteil des herkömmlichen Plastiks kann man recyceln?

Frech: Rein technisch alles. Zu hundert Prozent. Die Kunststoffe im gelben Sack werden händisch vorsortiert, dann geschreddert. Die einzelnen Materialien können anhand ihrer Eigenschaften technisch aufgetrennt und wiederverwertet werden.

Kann man aus Biokunststoff alles herstellen?

Frech: Ich glaube nicht, dass man derzeit alle Kunststoffprodukte aus Biokunststoff produzieren könnte. Bei der Wärmeformbeständigkeit und den mechanischen Eigenschaften stoßen sie immer noch an Grenzen. Wo ihre Verwendung Sinn macht, ist bei Spielzeug und in der Lebensmittelindustrie. Derzeit weiß niemand, welche bedenklichen Zusätze in den Kunststoffen für Spielzeug wirklich stecken. Vor wenigen Jahren wurde Bisphenol A verboten. Ich gehe davon aus, dass in klassischen Biokunststoffen keine giftigen Weichmacher und Zusatzstoffe sind, die einen Menschen gefährden könnten.

Wie hoch ist der Marktanteil der Biokunststoffe?

Frech: Der weltweite Kunststoffverbrauch liegt bei zirka 250 Millionen Tonnen, nur 1,4 Millionen Tonnen sind Biokunststoff. Er wird von den Konsumenten nicht besonders gut angenommen, denn Biokunststoffprodukte kosten in der Regel zwei bis dreimal so viel wie ihre Konkurrenz aus herkömmlichem Kunststoff.

Kann sich Bioplastik durchsetzen, wenn Erdöl noch teurer wird?

Frech: Dazu müsste es massiv teurer werden. Von all dem Erdöl, das gefördert wird, verwendet die gesamte chemische Industrie nur sieben Prozent, der Rest wird als Treibstoff oder zum Heizen verbrannt. Man könnte viel mehr einsparen, wenn man die Häuser besser dämmt und weniger mit dem Auto fährt, als wenn man alle Kunststoffe aus Pflanzen herstellt.

Konkurriert Biokunststoff mit Lebensmitteln?

Frech: Wir haben vor Kurzem mit einer deutschen Firma Kleiderbügel aus PLA-Bioplastik hergestellt, die wir den großen, weltweit agierenden Sportartikelherstellern angeboten haben. Diese lehnten sie nicht ab, weil die Bügel zu teuer wären, sondern weil sie sich als internationale Konzerne nicht der Kritik aussetzen wollten, dass sie Menschen das Essen wegnehmen. Es werden aber zum Beispiel sechzig Prozent der produzierten Stärke für Karton verwendet, weil Papier ohne Stärkekleister einfach auseinanderfallen würde. Das weiß so gut wie keiner, und niemand regt sich darüber auf. Wenn man Biokunststoff aus derselben Stärke macht, entsteht jedoch eine heftige Diskussion. Es ist teilweise schon sehr kurios, welche Argumente für oder gegen Biokunststoffe gebracht werden.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige