Molekularbiologie

Lieber Espresso als Latte Macchiato

Warum Kaffee ohne Kuhmilch jung und gesund hält, erklären Grazer Forscher allen Anti-Agern

USCHI SORZ | aus HEUREKA 3/14 vom 25.06.2014

Professor Madeo trinkt seinen Kaffee am liebsten mit Mandelmilch. Dann aber mit gutem Gewissen, denn, obwohl oft als schädlich geschmäht, belegen Studien viele gesundheitsfördernde Effekte des aromatischen Getränks. Etwa bei Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen.

Kuhmilch schmälert diese allerdings wieder, das konnte die Gruppe um Frank Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz nachweisen. Sie war aktuell an einer Studie der Universität Paris Descartes unter Guido Kroemer beteiligt, die den molekularen Mechanismus hinter den Kaffee-Benefits untersuchte. Dabei konzentrierten sich die Grazer auf tierische Proteine wie Milch. Die Ergebnisse wurden in PLOS Genetics und Cell Cycle publiziert.

Schon lange beschäftigt sich Madeo, einer der meistzitierten Zellbiologen im deutschsprachigen Raum, mit Autophagie. Das ist der Fachbegriff für eine Art körpereigene Müllabfuhr: ein Selbstreinigungs-und Entgiftungsprogramm in den Zellen, das vor allem durch Fasten angeregt wird.

"Es könnte einer der Hauptmechanismen sein, um den Alterungsprozess zu verlangsamen", bekräftigt der Leiter der Forschungsgruppe "Alterung und Zelltod". Die gute Nachricht für Kaffeefans: Auch Kaffee ist ein Autophagieauslöser. "In den Modellorganismen wurde die zelluläre Autophagie der untersuchten Organe -Leber, Skelettmuskulatur und Herz -durch ihn stark angekurbelt." Sogar bei koffeinfreiem Kaffee. "Wir vermuten, dass es an sekundären Pflanzenstoffen, den Polyphenolen, liegt", so Madeo.

Latte-Macchiato-Trinker mit Anti- Aging-Ambitionen sollten sich aber auf Espresso oder pflanzliche Zusätze wie Mandel-oder Kokosmilch umstellen. "In proteinhaltigen Lebensmitteln, besonders tierischen, ist Methionin enthalten", erklärt Madeo. "Christoph Ruckenstuhl aus meiner Arbeitsgruppe hat gezeigt, dass eine verringerte Zufuhr dieses Eiweißbausteins die Autophagie sehr effizient anschaltet." Die methioninreiche Kuhmilch hemmt sie somit.

Madeo und Kollegen haben auch andere Autophagietreiber gefunden; besonders schlagkräftig etwa Spermidin, ein natürliches Polyamin, das außer -wie der Name schon andeutet - in Samenflüssigkeit reichlich in Weizenkeimen, grünem Pfeffer oder Soja vorkommt. Unter seinem Namen als Romanautor, Francesco Madeo, führt der Professor übrigens eine Facebook-Seite, auf der man noch mehr über Anti-Aging-Mechanismen, aber auch das soziale Abenteuer Forschung erfahren kann.

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