Es muss Chancen für die jungen Menschen geben!

Erhard Busek hat sich vor und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Osteuropa engagiert. Er fordert mehr Investitionen

Erhard Busek | aus HEUREKA 4/14 vom 22.10.2014

Auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs herrschte schon lange vor 1989 keine Ideologie, sondern ein politisches Machtsystem - und das mit aller Brutalität! Natürlich war es ein Zusammenbruch eines Gebäudes, das vom Ursprung her auch von einer Ideologie gesteuert war, aber der Westen soll sich nicht einbilden, dass diese Veränderungen unserer ideellen Stärke zu verdanken ist.

Natürlich war es ein Eintreten für Menschenrechte und Demokratie, aber gerade die jetzige Situation zum Beispiel in der Ukraine und erst recht im Nahen Osten zeigt, dass wir von der Ideenwelt her herzlich wenig anzubieten haben.

Was haben Dschihadisten zu bieten?

Wenn junge Menschen sich den Dschihadisten anschließen, dann offensichtlich aufgrund der Tatsache, dass diese "Gotteskrieger" noch etwas von den Menschen verlangen, Bindungen vorweisen können und in der Lage sind, Aktivitäten bis zum Wahnsinn zu setzen. Das zu bekämpfen wird wohl kaum durch Grenzkontrollen, Ausbürgerungen und Verbote von Zeichen und Symbolen zu erreichen sein.

Man muss aber auch feststellen, dass diese letzten 25 Jahre eigentlich ein Erfolg waren. Die Perspektive für diese Länder, in die Europäische Union integriert zu werden, damit wirksam Europäer zu sein, war hilfreich. Schon dadurch wurden kriegerische Auseinandersetzungen vermieden, die uns schmerzvollerweise in Jugoslawien und jetzt zwischen Ukraine und Russland nicht erspart bleiben.

Das allerdings verlangt eine Aktivität in einem besonderen Feld: nämlich der Bildung. Daher ist es sicher ein Fehler, dass die Europäische Union selbst keine Bildungskompetenz hat, sondern immer wieder darauf angewiesen ist, dass nur Mitgliedsstaaten etwas tun können. Wir haben zu wenig investiert - und das meine ich nicht nur finanziell. Es muss auch Chancen für die jungen Menschen geben, wobei wir mit einem Blick auf die österreichischen Universitäten und Forschungseinrichtungen feststellen können, dass wir von den Begabungen aus diesen Ländern, die ehemals auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs waren, leben. Sie schließen bei uns Lücken und sind präsent bis hinein in die Kultur.

Tun wir das ausreichend?

25 Jahre sollten eigentlich ein Anlass sein, unsere Strategien in diese Richtung zu überdenken. Das gilt nicht nur für Regierung und Politik, sondern für das Wissenschafts- und Geistesleben, die Kultur und die sozialen Netze. Tun wir das ausreichend? Bilder vom Durchschneiden des Eisernen Vorhangs zu veröffentlichen, kann es allein nicht sein. Es geht nämlich darum, den Platz von Europa in der globalen Welt zu bestimmen.

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