Freistetters Freibrief

Nix deutsch!

Florian Freistetter | aus HEUREKA 4/14 vom 22.10.2014

Als Albert Einstein im Jahr 1905 seinen berühmten Artikel schrieb, der das enthielt, was wir heute die "Spezielle Relativitätstheorie" nennen, tat er dies unter dem Titel "Zur Elektrodynamik bewegter Körper" und in deutscher Sprache.

Heute muss man lange suchen, um einen physikalischen Fachartikel auf Deutsch zu finden. Wenn man doch fündig wird, dann handelt es sich vermutlich nicht gerade um aktuelle Spitzenforschung. Deutsch, das als internationale Sprache der Wissenschaft im 19. Jahrhundert weit verbreitet war, wurde schon längst durch Englisch ersetzt.

Gerade in den Naturwissenschaften sind Englischkenntnisse Voraussetzung für die Forschungsarbeit. So wie der Rest der Welt ist auch die Forschung immer globaler geworden. In den Büros und Labors der Universitäten arbeiten Wissenschafter aus aller Welt zusammen - und die Sprache ist Englisch.

Nur bei den Geisteswissenschaftern regt sich immer noch Widerstand gegen die Vorherrschaft des Englischen. "Es ist leider vermehrt zu beobachten, dass sich junge Philosophinnen und Philosophen unter Druck gesetzt fühlen, die eigene Forschung in englischer Sprache betreiben zu müssen, um international anerkannt zu werden", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Philosophie, Michael Quante, anlässlich des kürzlich stattgefundenen Philosophie-Kongresses in Münster. Was wäre die Alternative? Wer international anerkannt werden will, muss eben in einer Sprache kommunizieren, die auch international verstanden wird. Sonst bleibt die eigene Forschung nur in der Nische.

In der globalen Forschungslandschaft müssen Wissenschafter aus aller Welt gemeinsam arbeiten und darum auch eine gemeinsame Sprache sprechen. Diese Sprache ist heute Englisch. Daran wird kein Erinnern an alte Traditionen etwas ändern.

Deutsch ist hierzulande als Sprache der Wissenschaftsvermittlung weiterhin von großer Bedeutung! Forschung muss nicht nur unter Kollegen kommuniziert, sondern auch an die Öffentlichkeit getragen werden. Das muss in der Sprache des jeweiligen Landes geschehen. Auch wenn die Zeiten des Deutschen als Wissenschaftssprache unwiderruflich dahin sind: Die Wissenschaft muss trotzdem weiterhin mehrsprachig bleiben.

Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simple

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