Editorial

Christian Zillner | aus HEUREKA 4/14 vom 22.10.2014

Da lag ich in meinem westösterreichischen Kinderbett und träumte von Dörfern im Osten. Ich hatte keine Ahnung, wie diese aussahen, auf jeden Fall aber waren sie gemütlicher und heimeliger als unsere im Westen. Damals galt der Osten als die Zone, aus der unsere westliche Welt überfallen würde. Ich wusste nichts von Geschichte, aber auch später konnte ich mir nicht vorstellen, dass Russen nach Vorarlberg kommen wollen. Wozu? Heute leben dort auch Tschetschenen, ein Grund mehr für Russen, sich davon fern zu halten.

Nun wohne ich aus der Sicht eines Vorarlbergers ziemlich weit im Osten. Doch sind die Länder noch weiter östlich mein Sehnsuchtsgebiet geblieben. Vielleicht, weil es dort gibt, was wir im Westen längst gezähmt haben: etwas Wildes. Und Menschen mit einem anderen Blick auf die Welt.

So verstehe ich jene Debatten in Wissenschaftskreisen nicht ganz, die ständig um "Exzellenz" kreisen und dabei Nordamerika meinen. Als gäbe es im Osten nicht mehr als genug zu erforschen - und womöglich würde das die Lebensbedingungen der Menschen dort sogar verbessern. Stattdessen achten viele Karrierewissenschafter darauf, an westlichen Universitäten unter bestmöglichen Voraussetzungen zu forschen. Was soll ein Ostler wie ich dazu sagen? Schaut einmal, wo die Sonne aufgeht?

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