Astrophysik

Wir sind Weltraum!

Würde Österreich titeln. Aber statt Journalisten sind immerhin zwei heimische Satelliten im All

SONJA DRIES | aus HEUREKA 5/14 vom 05.11.2014

Sie sind nur sieben Kilogramm schwer und haben eine Kantenlänge von zwanzig Zentimetern, dennoch tragen die beiden ersten Satelliten Österreich Großes zur Grundlagenwissenschaft bei. Seit ihrem Start in Indien im Februar letzten Jahres kreisen die zwei Nano-Satelliten BRITE-AUSTRIA und UniBRI-TE mit 28.000 km pro Stunde in 790 km Höhe um die Erde. Der Begriff Nano ist dabei auf die Masse bezogen. Ein bis zehn Kilogramm wiegen diese Flugkörper. Lange stand die Frage im Raum, ob Spitzenforschung mit so kleinen Satelliten überhaupt möglich sei - das bekannte Weltraumteleskop Hubble wiegt über elf Tonnen. Doch nachdem anfangs meistens Studenten mit Nano-Satelliten arbeiteten, die sehr einfach gehalten waren, wurden die Geräte mittlerweile auf höchstem Niveau entwickelt.

Das Ziel der BRITE-Mission (Bright Target Explorer), zu der noch je zwei Satelliten aus Kanada und Polen gehören, ist, mehr über den Aufbau bestimmter Sterne herauszufinden. Die Satelliten messen ihre Helligkeitsvariationen über einen Zeitraum von jeweils sechs Monaten. So erkennen die Forscher, ob die Sterne rotieren, pulsieren oder von anderen Sternen oder sogar Planeten bedeckt werden. Die sogenannte Astroseismologie erlaubt damit Rückschlüsse auf das Innere der Sterne, ohne es je gesehen zu haben. Rainer Kuschnig, Instrument Scientist und Mitglied des BRITE Executive Science Teams, zeigt sich mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden. Pro Tag sendet jeder der Satelliten Daten in der Größe von 20 bis 40 Megabyte an die Bodenstationen in Graz, Toronto und Warschau. Taucht ein Satellit in Reichweite einer der Stationen auf, wird eine Parabol-Antenne auf ihn gerichtet, um die Daten aufzunehmen. Während die Sternbilder Orion und Centaurus bereits untersucht worden sind, wurde Mitte September Perseus als neues Beobachtungsfeld anvisiert.

Die beiden österreichischen Satelliten wurden an der Universität Wien und der TU Graz gebaut. Drei Wochen dauerte alleine der letztendliche Zusammenbau der komplexen Systeme. Sie besitzen ein Teleskop mit 3 Zentimeter Durchmesser und eine Digitalkamera, die mit ihrem großen Abbildungsfeld sogar den ganzen Orion abdecken kann. Die Energie, welche die Satelliten verbrauchen, wird durch Solarzellen erzeugt und in einem Akku gespeichert. Nach dem Zusammenbau wurden die Flugkörper verschiedenen Tests unterzogen, bei denen die Verhältnisse im Weltraum oder auch die Vibration beim Start einer Rakete simuliert wurden.

Das Budget für Österreichs erste Weltraummission, das unter anderem von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft und dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie getragen wurde, betrug zwei Millionen Euro, inklusive Start. Dieser fand in Indien statt, weil dort zu einem passenden Zeitpunkt ein größeres Objekt ins All geschossen wurde. Die BRITE Mission konnte sich mit ihrem kleinen Satelliten gut anhängen.

Neben den wissenschaftlichen Ergebnissen hatte die Mission auch Einfluss auf die österreichische Politik: Ein Weltraumgesetz wurde Ende 2011 eigens beschlossen, um den Start zu ermöglichen, und im Ministerium wurde eine Weltraum-Agenda eingerichtet. Erst diesen Sommer hatte die BRITE Mission die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen, als UniBRITE nur knapp einer Kollision mit einem chinesischen Satellitenteil entgangen war. Gerade elf Kilometer trennten diese beiden Objekte.

Instrument Scientist Rainer Kuschnig hat bezüglich solcher Ereignisse jedoch schon eine gewisse Gelassenheit entwickelt: "Es gibt fast jede Woche eine Kollisionswarnung. Bei Entfernungen über hundert Kilometer fange ich noch nicht einmal an, mir Stress zu machen."

"Es gibt fast jede Woche eine Kollisionswarnung" Rainer Kuschnig, Instrument Scientist

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige