Anthropologie

Neandertaler und Frühmenschen begegneten sich womöglich im Landl der Mariandl

JOCHEN STADLER | aus HEUREKA 5/14 vom 05.11.2014

Die ältesten Wachauer, die sich mit Fug und Recht moderne Menschen nennen konnten, lebten vor 43.500 Jahren, fanden Wissenschafter durch einen Ausgrabungsfund im niederösterreichischen Willendorf heraus. Dies ist ein paar tausend Jahre früher als angenommen und der aktuell früheste Nachweis moderner Menschen in Europa. Die Wachau war damals eine Kaltsteppe, und es war für eiszeitliche Verhältnisse recht mild, berichten sie außerdem im Fachjournal Pnas.

Durch das frühe Auftauchen der modernen Menschen sei die Zeitspanne größer, in der sie sich Europa mit den Neandertalern teilten, so Bence Viola, der die Arbeit unter anderem am Department für Anthropologie der Universität Wien durchgeführt hat. Sie hatten also mindestens 3.500 Jahre Zeit, um sich zu vermischen, denn die Neandertaler verschwanden nach aktuellen Daten erst vor etwa 40.000 Jahren. Bis jetzt hatte man die Ankunft der modernen Menschen frühestens auf 41.500 vor heute geschätzt.

Dass Neandertaler und moderne Menschen gemeinsame Nachkommen zeugten, ist klar, denn alle heutigen Menschen außerhalb Afrikas tragen eineinhalb bis drei Prozente Neandertaler-DNA.

Die Forscher haben an der Fundstelle Willendorf II zwar keine menschlichen Überreste gefunden, denn für die Knochenerhaltung ist der Untergrund dort zu aggressiv, doch charakteristische Lamellen-Werkzeuge in einer Bodenschicht, die sie als 43.500 Jahre alt identifizierten. Lamellen sind kleine Steinartefakte, die wahrscheinlich Teile von Jagdwaffen waren und bis zu einem Zentimeter breit und bis zu mehreren Zentimetern lang sind. Die in Willendorf gefundenen Lamellen seien typisch für eine Epoche der jüngeren Altsteinzeit, dem sogenannten Aurignacien, so die Forscher.

"Ausgrabungsfunde in Willendorf belegen, dass hier bereits vor 43.500 Jahren moderne Menschen lebten" Bence Viola, Universität Wien

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