Editorial

CHRISTIAN ZILLNER | aus HEUREKA 5/14 vom 05.11.2014

Vielen Europäern erscheint Afrika krisengeschüttelt. Zum Beleg dafür müssen die Flüchtlinge herhalten, die über das Mittelmeer nach Europa kommen. Kaum jemand sieht in ihnen eine Chance für unsere Zukunft. Wie war das aber im Lauf der europäischen Geschichte? Ihre Krisen hat viele Europäer unter anderem nach den Amerikas und Australien getrieben. Die Flüchtlinge lösten unter der dortigen Bevölkerung gewaltige Krisen, ja Katastrophen aus. Kaum jemand sieht darin aber nicht auch das Neue und die Chancen, die sich daraus ergeben haben. Die europäischen Flüchtlinge suchten in ihren Zielländern Freiheit von religiöser und politischer Unterdrückung, aber auch neue wirtschaftliche Möglichkeiten. Nur die wenigsten wären unter den heutigen europäischen Asylgesetzen aufgenommen worden, sie hätten als Wirtschaftsflüchtlinge gegolten. Welche Chancen Afrika und seine Flüchtlinge Europa bieten, zeigt ein junger Österreicher namens David Alaba. Sein Talent und sein Fleiß haben ihn hierzulande auf den Status eines Fußballgottes erhoben. Merkwürdig nur, dass er seiner Arbeit hauptsächlich in Bayern nachgeht. Dort wird er jedoch nicht als Wirtschaftsflüchtling, sondern als Verstärkung des besten deutschen Fußballclubs angesehen. Bleibt uns die Frage: Sind wir derart krisengeschüttelt, dass Alaba woanders hinziehen musste?

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