Wälder für Äthiopien und Burkina Faso

Dürren, Überschwemmungen: Wie stark leidet Afrika unter den Folgen des Klimawandels? Und wie reagieren die Bauern darauf?

SONJA BURGER | aus HEUREKA 5/14 vom 05.11.2014

Die äthiopische Agronomin und Genderspezialistin Aregu Behailu Lemlem kennt die Situation in ihrem Heimatland: "Seit 1980 gab es bereits fünf schwere Dürren auf nationaler Ebene. Weniger Niederschlag und eine kürzere Regenzeit sind auch eine Folge des Klimawandels." Mit der Konsequenz, "dass die landwirtschaftliche Produktivität der Bauern, sprich der Bevölkerungsmehrheit, sinkt". Faktoren wie Bevölkerungswachstum, Unsicherheit in punkto Bodenbesitz, junge Menschen ohne Jobaussichten und zunehmende Bodenerosion verstärken die Problematik. Speziell für Bauern ist der Boden eine zentrale Ressource und der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit überlebenswichtig. Viele äthiopische Bauern haben deshalb bereits reagiert und setzen Maßnahmen. "Manche Strategien wirken sich auf lange Sicht jedoch negativ auf die Umwelt aus, während bei anderen externe Unterstützung nötig ist", erklärt Lemlem.

Wie neuer Wald entsteht

Aufforstungsmaßnahmen sind für Letzteres ein gutes Beispiel. Denn im Alleingang entsteht kein neuer Wald. Hinzu kommt, dass die äthiopische Praxis der Landvergabe ein Denken über mehrere Generationen hinweg nicht gerade fördert. "Die geplante Reform verbessert zwar die Situation für Landbesitzer, da sie Grund und Boden an ihre Kinder weitergeben können.

Für jene, die bis jetzt nichts hatten, wird sich der Zugang zu Boden verschlechtern", betont Florian Alexander Peloschek, Agrarökologe und wissenschaftlicher Projektmitarbeiter am Centre for Development Research an der BOKU. Umso wichtiger, dass im Rahmen von Aufforstungsprojekten Wälder entstehen, die allen Gruppen einer Dorfgemeinschaft nützen.

Was Partizipation bringt

Ein Weg, der dabei immer öfter beschritten wird, ist Partizipation. Wieso das von Bedeutung ist, zeigt für Peloschek die Erfahrung: Dass Aufforstung früher oft scheiterte, hänge damit zusammen, dass immer nur mit einer Gruppe der Bevölkerung, etwa bestimmten Bauern oder der kleinsten Verwaltungseinheit, sprich der Kebele-Administration, gesprochen wurde. Ganz anders beim Klimaschutzprojekt "Carbon Offset Project Exclosure -North Gondar" der BOKU mit einer Laufzeit von dreißig Jahren. In North Gondar soll durch Aufforstung ein Wald nach dem Vorbild eines äthiopischen Mischwaldes entstehen. Für Fragen etwa nach der Zusammensetzung der Pflanzen setzt das Forscherteam auf Partizipation und lässt alle gesellschaftlichen Gruppen, auch Witwen oder die landlose Jugend, mitbestimmen.

Geschlechterrollen im Blick

Auch für Christina Bouissou vom Institut für Waldgenetik am Bundesforschungszentrum für Wald etwa bei Aufforstungsprojekten in Burkina Faso hat Partizipation einen hohen Stellenwert.

"Kulturelle Aspekte wie die Geschlechterrollen muss man unbedingt berücksichtigen", erklärt Bouissou. Denn Männer und Frauen haben eine unterschiedliche Wahrnehmung vom Nutzen eines aufgeforsteten Waldes.

Deshalb erhalten bei ihren Projekten stets beide ein Training. Und: "Kinder sind neugierig, kommen zum Training, hören zu und lernen auf spielerische Weise."

So wird Nachhaltigkeit auf vielfältige Art gefestigt. Partizipation bildet dafür den Nährboden, und die Chancen stehen gut, dass künftig Wälder entstehen, die nicht nur für das lokale Klima und die Bodenbeschaffenheit gut sind, sondern auch einen Mehrwert für die Dorfgemeinschaft haben und so zu einer wichtigen Ressource für die Kinder von heute - und morgen - werden.

"Als Folge des Klimawandels sinkt die wirtschaftliche Produktivität der Bauern"

AREGU BEHAILU LEMLEM AGRONOMIN

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige