Biologie

Kleine Fische sind großen beim Zeugen überlegen

Warum die Großen unter den Schneckenbuntbarschen im afrikanischen Tanganjikasee weniger oft zum Zug kommen

JOCHEN STADLER | aus HEUREKA 5/14 vom 05.11.2014

Riesenmännchen" der Schneckenbuntbarsche im afrikanischen Tanganjikasee besitzen einen eigenen Harem. Sie sammeln Schneckenhäuser, in denen ihre Weibchen brüten. Obwohl die Hausherren ihr Reich streng bewachen, schlüpfen aber immer wieder Liebhaber in die eigentlich für die Damen reservierten Kämmerchen. Diese "Zwergmännchen" haben damit einen privilegierten Platz und können direkt neben dem Laich ejakulieren und nicht nur von außen wie die Riesenmännchen.

Das macht die Befruchtung durch die Zwergmännchen offensichtlich viel effektiver, berichtet der Österreicher Michael Taborsky mit Kollegen im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B".

Trotz eines vierzigfachen Größenunterschieds und achtmal kleinerer Hoden stammen über drei Viertel der Jungfische von den parasitischen Zwergmännchen, wenn sie in fremde Brutkammern eingedrungen sind, fanden die Forscher um Taborsky heraus, der an der Universität Bern in der Schweiz arbeitet.

Die Riesenmännchen müssen allerdings so groß sein, dass sie nie und nimmer hineinpassen, damit sie überhaupt Schneckenhäuser zusammentragen können, wie Michael Taborsky in einer früheren Arbeit gezeigt hat.

"Erwachsene Zwergmännchen sind jedoch viel seltener als die Riesenmännchen, die ein Nest verteidigen, sie machen nur etwa fünf bis zehn Prozente der sich gleichzeitig fortpflanzenden Männchen in einer Kolonie aus", erklärt er. In der Natur wird daher insgesamt nur knapp jedes hundertste Ei von einem Zwergmännchen befruchtet.

Ob die Männchen Riesen oder Zwerge werden, ist auf dem männlichen Geschlechtschromosom kodiert, wie die Forscher herausfanden. So kann die Selektion ungehindert sehr kleine und sehr große Männchen hervorbringen, ohne dass die Größe der Weibchen beeinträchtigt wird.

"Über drei Viertel der Jungfische stammen von parasitischen Zwergmännchen" Michael Taborsky, Universität Bern

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