Mathematik

Mit mathematischen Methoden den Geheimnissen des Alls näherkommen: Raumzeiten?

USCHI SORZ | aus HEUREKA 6/14 vom 03.12.2014

Die reine Mathematik sehe ich als kreativste Wissenschaft überhaupt, weil sie sich nur im Kopf abspielt", sagt Annegret Burtscher. Ihren eigenen beschäftigt die 31-Jährige mit nichts Geringerem als Einstein-Gleichungen. Unsere Sicht auf das Universum hat die Relativitätstheorie vor gut einem Jahrhundert drastisch verändert: Nicht mehr die Kräfte bestimmen, wie sich Planeten und Lichtstrahlen bewegen, sondern die Krümmung des Raumes selbst. "Hier kommt die Mathematik ins Spiel", erklärt Burtscher. "Die Krümmung ist ein zentraler Begriff der Differentialgeometrie, und Einstein-Gleichungen sind ein komplexes System nicht linearer partieller Differentialgleichungen." Zu Jahresbeginn hat sie sub auspiciis über analytische und geometrische Aspekte der Relativitätstheorie dissertiert.

"Mich interessiert, wie sich Raumzeiten verhalten, wenn man von gewissen räumlichen Anfangsdaten ausgeht und deren dynamische Entwicklung beobachtet." Burtscher ist auf geometrische Analysis spezialisiert. Dabei geht es darum, geometrische Fragen mithilfe analytischer Methoden zu lösen. Ihre Forschung sei rein mathematisch und habe keine direkte Anwendung, Berührungspunkte mit der Realität gebe es aber schon: So spielt Einsteins Relativitätstheorie in der Astrophysik eine wichtige Rolle. "Sie fließt unter anderem beim GPS zur Verbesserung der Positionsbestimmung ein."

Obwohl sie Mathematik immer schon mochte und Simon Singhs Buch "Fermats letzter Satz" ihren Berufswunsch prägte, fiel ihr die Studienwahl nicht leicht. "Ich habe an der HTL für Tiefbau in Rankweil maturiert, dort fanden die meisten so etwas ziemlich verrückt", erzählt die zweifache Mutter, die im Frühjahr eine Postdoc-Stelle in Bonn antreten wird. "Dass ich's dann doch inskribiert hab', habe ich nie bereut."

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