Literaturwissenschaft

Was der Kaiser nicht goutiert und verboten hat:

Über Zensur im Habsburgerreich und die Digitalisierung von Ludwig Tiecks legendärer Bibliothek

ALEXANDRA MARKL | aus HEUREKA 6/14 vom 03.12.2014

Seit Oktober 2014 laufen an der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaften der Wiener Universität zwei spannende Projekte. Einerseits leitet Norbert Bachleitner die Untersuchung über die Zensur der italienischsprachigen Literatur in der Habsburgermonarchie 1750 bis 1918. Der Germanist will ergründen, wie stark die Literatur dieser Zeit von der habsburgischen Bücherzensur beeinflusst war. Denn die Monarchie kontrollierte sowohl die Produktion von Büchern innerhalb ihrer Grenzen als auch die Verbreitung von importierten Büchern. Zu diesem Thema sind ebenfalls Recherchen in den Staatsarchiven von Mailand und Venedig geplant.

Das Projekt, das bis September 2017 befristet ist, soll darstellen, wie effizient die Überwachung der Zensurbehörden über die Herstellung und Verbreitung von Literatur und insbesondere von Manuskripten innerhalb der Donaumonarchie war.

Das zweite Projekt namens "Ludwig Tiecks Bibliothek. Anatomie einer romantisch-komparatistischen Büchersammlung" wird von Achim Hölter mit der Universität Dresden und der Österreichischen Nationalbibliothek über die nächsten drei Jahre erarbeitet. Das Ziel ist die virtuelle Rekonstruktion und Würdigung der etwa 9.000 Bände umfassenden Bibliothek des deutschen Romantikers Ludwig Tieck (1773-1853). Diese wissenschaftliche Privat-und Dichterbibliothek, eine der berühmtesten der Literaturgeschichte, kann als Grundlage für komparatistische Lese-und Schreibweisen dienen. Die Büchersammlung wurde 1849/1850 verkauft, heute will man den Inhalt nach modernen Standards der Katalogisierung auflisten. Die so entstandene digitale Datenbank soll internationale Forscherinnen und Forscher zusammenführen, die sich mit Tieck, der Romantik oder der Komparatistik beschäftigen.

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