"Wir bilden nicht nur Ärztinnen und Ärzte aus"

aus HEUREKA 6/14 vom 03.12.2014

Die Rektorin der MedUni Innsbruck, Helga Fritsch, über das Bachelor- Master-Studium an ihrer Institution.

Falter Heureka: Sie verglichen die Ausgliederung der MedUni Innsbruck mit der Trennung siamesischer

Zwillinge. Welche Hindernisse gab es? Helga Fritsch: Eine Trennung von althergebrachten Strukturen ist nie einfach, und Neues wird oft sehr kritisch beäugt. Vor diesem Hintergrund muss man die Hindernisse sehen. Die universitäre Landschaft muss sich generell auf neue Herausforderungen einstellen. Es findet ein Generationenwechsel statt, und das ist auf allen Ebenen bemerkbar. Die Bedürfnisse und Herausforderungen einer MedUni sind einfach andere als die einer Gesamtuniversität, wie etwa die enge Verbindung zur Krankenversorgung, also auch zu Krankenhausträgern. So ist unser ärztliches und wissenschaftliches Personal nicht nur mit Lehre und Forschung beauftragt, sondern auch mit Krankenversorgung an unseren Universitätskliniken.

Welche waren die Vorteile?

Fritsch: Nach zehn Jahren Eigenständigkeit und mit der damit verbundenen stärkeren Verhandlungsbasis sind Kooperationen mit dem Landeskrankenhausträger, die sich durch die Dualität zwischen Krankenversorgung einerseits und Lehre und Forschung anderseits ergeben, einfacher umzusetzen. In Innsbruck werden in einer Kommission alle relevanten Themen über die Zusammenarbeit verhandelt. Dies wäre als Fakultät schwieriger. Mit der Eigenständigkeit und Vollrechtsfähigkeit einer MedUni verhandeln wir autonom und gleichberechtigt. Für uns als MedUni ist es das ausgesprochene Ziel, Spitzenmedizin und hauseigene Forschung so schnell wie möglich ans Krankenbett zu bringen.

Sie bieten exklusiv in Österreich das Bachelor-Master-Studium in der Molekularmedizin an?

Fritsch: Die Vorstellung, dass eine Med-Uni nur Ärztinnen und Ärzte ausbildet, ist falsch. Wie jede Universität bildet ein Studium die Basis für verschiedene Richtungen. Und wenn Sie das Studium der Molekularmedizin ansprechen: Mit einem Abschluss des Bachelor-Studiums stehen unseren Absolventinnen und Absolventen, je nach Interesse, verschiedenste Möglichkeiten offen. Denn einerseits befähigt das Studium für eine praktisch-berufliche Tätigkeit, andererseits kann es auch als Basis für eine weiterführende theoretische Ausbildung dienen. Es kann aber auch im Bereich der sogenannten Life Sciences an Unis oder Fachhochschulen ein Sprungbrett sein.

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