Zehn Jahre nach der Trennung

Österreichs Medizinische Universitäten sind seit zehn Jahren autonom. Eine Bilanz

DIETER HÖNIG | aus HEUREKA 6/14 vom 03.12.2014

Bestes Ranking unter Österreichs Unis

Die Medizinische Universität Wien hat in den letzten Jahren eindeutig an Profil gewonnen. Das spiegelt sich auch in den aktuellen Uni-Rankings wider. Im zehnten Jahr ihres Bestehens als eigenständige Universität zählt die MedUni Wien etwa im renommierten Times Higher Education Ranking erstmals zu den 50 besten Medical Schools der Welt. In Europa ist sie Nummer 14, im deutschsprachigen Raum die Nummer drei. Nur leider wurden diese Erfolge von den jüngsten Ereignissen etwas überschattet.

Nichtsdestoweniger steht, laut Rektor Wolfgang Schütz, die MedUni Wien heute, zehn Jahre nach der Ausgliederung aus der Universität Wien, besser da als je zuvor.

"Das Drittmittelvolumen konnte in diesem Zeitraum verdoppelt werden, die Erwartungen wurden klar übertroffen. Die Leistungen unserer Forscherinnen und Forscher, die immer wieder in absoluten Top-Magazinen ihre Arbeiten publizieren, sind wichtige Basis dieses Erfolgs", so Schütz. Und das, obwohl die Rahmenbedingungen in Österreich im internationalen Vergleich schlechter seien als in vielen anderen Ländern. Dass diese Erfolge durch Ärgernisse wie etwa das neue Arbeitszeitgesetz, das das ärztliche Personal am AKH auf die Barrikaden steigen lässt, getrübt werden, sieht der Rektor unaufgeregt: "Hier hat der Gesetzgeber einen sechsjährigen Übergangszeitraum vorgesehen. In diesem Zeitraum werden Maßnahmen für die künftigen neuen Rahmenbedingungen gesetzt. Wir sind diesbezüglich in Gesprächen mit dem Betriebsrat. Einen höheren Bedarf an Personalmitteln für die nächste Leistungsperiode 2016 bis 2018 haben wir bereits im zuständigen Wissenschaftsministerium deponiert."

Einzigartige Kooperation zweier MedUnis

Seit Ausgliederung der Medizinischen Universität Graz im Jänner 2004 als autonome Einrichtung findet ein permanenter dynamischer Entwicklungsprozess statt. Insgesamt hat sich die Forschungsleistung in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht. Die Grazer Spitzenpublikationen füllen hochrangige, internationale Journale. Eine beachtliche Entwicklung erfährt aktuell der Bereich "Personalisierte Medizin".

Rektor Josef Smolle sieht darin eine Evolution: "Es ist die sukzessive Entwicklung in Richtung einer spezifischeren, wirksameren, sanfteren und individuell angepassten Behandlung." Als Voraussetzung für diese Entwicklung bedarf es, laut Smolle, des Zugangs zu großen Mengen an Gewebsproben. Dies sei an der MedUni Graz durch eine der größten, eben erst wieder ausgezeichneten Biobanken Europas und die Ansiedlung der EU-Forschungsinfrastruktur zu Biobanken am Standort gewährleistet.

Von der zukünftigen, engen Kooperation mit der Johannes Kepler Universität Linz, die ja durch die hochschulpolitisch heiß diskutierte Gründung einer medizinischen Fakultät der vierte und jüngste Medizinstandort in Österreich ist, erwartet er sich große Stücke. Damit werde ein sinnvoller und auch volkswirtschaftlich günstiger Weg beschritten. Diese besondere Art der Kooperation sei in Österreich einzigartig, und Smolle ist überzeugt, dass sie Vorbildcharakter haben wird: "Wir erweitern damit unsere vorklinischen Forschungsinstitute und sehen interessante wechselseitige Impulse für die klinische Wissenschaft." Ob damit der Turnus-gebeutelte ärztliche Nachwuchs in Österreich gehalten werden kann, ist zu hoffen.

Wir-Gefühl an der MedUni

Anlässlich der Feier "10 Jahre MedUni Innsbruck" verwies Rektorin Helga Fritsch ebenso auf Hindernisse wie auf breite Erfolge in der Entwicklung zu einer weltoffenen, leistungsstarken und studierendenfreundlichen medizinischen Universität.

Als eigentliche Leistung sei jedoch die Entwicklung eines Wir-Gefühls zu sehen: "Unsere Identität und unsere Corporate Identity sind die besten Voraussetzungen dafür, als selbstbewusste, starke Partnerin im wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld wahrgenommen zu werden", so die Rektorin.

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