Editorial

CHRISTIAN ZILLNER | aus HEUREKA 6/14 vom 03.12.2014

Gibt es in Literatur, Kunst und Wissenschaft so etwas wie einen festen Stock wiederkehrender Vorstellungen? Ja, klar, nämlich den, dass die jeweilige Gegenwart das Letzte und ein die Vergangenheit beschämendes Phänomen ist. In weniger gebildeten Kreisen sagt man "Früher war alles besser", doch die Hochgebildeten finden für den gegenwärtigen Kleinmut niederschmetternde Metaphern. Kunst, Literatur und Wissenschaft gehen immer gerade vor die Hunde. Ignorante Zeitgenossen zerstören, was Generationen mit übermenschlichen Leistungen begründet haben.

Das Dumme daran ist, dass die früheren Generationen tatsächlich die größten Leistungen vollbracht haben. Allein wie sie es schafften, Mais zu züchten, liegt jenseits jeder gegenwärtigen Vorstellungskraft. Dagegen scheint die Rosetta- Mission, vor deren Leistungen mir der Mund offenbleibt, wie ein Zeitvertreib von Nerds. Pablo Picasso hat angesichts der Höhlenmalereien in Frankreich gemeint, wir hätten gar nichts dazugelernt, und wer die Odyssee oder die Bibel kennt, wird es schwer haben, die Bedeutung aller nachfolgenden Literatur zu würdigen. Schön, dass es in Kunst, Literatur und Wissenschaft diese Gemeinsamkeit gibt. Vielleicht sind sie ja den übrigen Tätigkeiten der Menschen näher, als man glaubt.

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