Karrieren sind unsicherer geworden

Wie steht es mit dem Nachwuchs für die Universität? An der Universität Wien steigt die Zahl der Doktoranden

CLAUDIA STIEGLECKER | aus HEUREKA 6/14 vom 03.12.2014

Das Doktorat ist der höchste akademische Grad, den eine Universität vergeben kann. Die Promotion bescheinigt die Befähigung zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten. Außerdem ist sie der Grundstein für eine wissenschaftliche Karriere, denn aus den Reihen der Doktoranden rekrutieren die Universitäten ihren Nachwuchs. "Die Doktoratsausbildung ist Teil der Forschungsaktivität einer Universität. Gleichzeitig bietet sie Gelegenheit zur individuellen Reflexion, ob man für eine wissenschaftliche Berufslaufbahn geeignet ist", erläutert Gabriele Kucsko-Stadlmayer, Vorsitzende des Senats der Universität Wien und Sprecherin der österreichischen Senatsvorsitzenden.

Im Jahr 2011 schlossen 450 Kandidatinnen und Kandidaten ihr Doktoratsstudium an der Universität Wien ab. Zwei Jahre später waren es bereits 650 -das Ergebnis von intensiven Förderungsbemühungen durch die Schaffung unterstützender inhaltlicher und administrativer Strukturen. "Es geht darum, das gesammelte Wissen der Gesellschaft an die nächste Generation weiterzugeben, kritisch zu reflektieren und weiter zu entwickeln", sagt Kucsko-Stadlmayer. "Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist eine der primären Aufgaben der Universität."

Dementsprechend wichtig sei das institutionelle Engagement der Uni für eine qualitätsvolle Betreuung. Diese ist zu einem großen Teil eine Frage des Geldes: Mit bis zu 100.000 Euro im Jahr schlägt ein vollbeschäftigter Doktorand zu Buche, Entlohnung laut Kollektivvertrag, Arbeitskosten der Betreuer, Labor-und Gemeinkosten inklusive. "Es muss noch mehr investiert werden", betont Kucsko-Stadlmayer. "Hier muss der Staat die Finanzierung sichern und dafür sorgen, dass die Universitäten ihre Aufgaben erfüllen können."

Aktuell entscheidet sich an der Universität Wien etwa ein Viertel der Doktoranden für eine Postdoc-Phase, wovon wiederum ein Viertel eine Professur erlangt. Ein sinnvoller Ausleseprozess, der prinzipiell im System begründet liegt, so Kucsko-Stadlmayer. Jedoch seien wissenschaftliche Karrieren unsicherer geworden, nicht zuletzt durch die ausschließliche Vergabe befristeter Stellen auf dem Weg zu einer Professur. Eine tendenzielle Erhöhung der dauerhaften Beschäftigungsverhältnisse für Personen mit hervorragender Qualifikation wäre daher wünschenswert: "Die Universitätsleitungen stehen bei der Gewinnung und Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses vor großen Herausforderungen."

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