WOHIN GEHT DIE UNIVERSITÄT?

Der Countdown zum Thema

CHRISTOF DAMBÖCK, URSULA PICHLWAGNER, JAKOB WEISS, ANNA ZETHNER | aus HEUREKA 6/14 vom 03.12.2014

1.675.715.000 Euro betrugen die Ausgaben der öffentlichen Universitäten für Forschung und Entwicklung (F&E) im Jahr 2011. Mit über 554 Mio. Euro ist der größte Teil den Naturwissenschaften zuzuschreiben, gefolgt von der Humanmedizin (inklusive Kliniken) mit rund 451 Mio. Euro. Die Geisteswissenschaften bilden mit 149 Mio. Euro das Kosten-Schlusslicht. Damit wurden zu großen Teilen Personal-und Sachausgaben gedeckt sowie Investitionen in Infrastruktur getätigt.

585.129.695 Euro konnten die öffentlichen Universitäten 2012 mit F&E-Projekten und Projekten der Entwicklung und Erschließung der Künste lukrieren. Die Einnahmen stammen von Unternehmen, Ländern und Gemeinden sowie aus wettbewerblich vergebenen Fördergeldern des FWF, der FFG und der EU sowie von sonstigen öffentlichen Fördereinrichtungen (Stiftungen und Fonds); nur in geringem Ausmaß von privaten Stiftungen.

7.090.709 Bücher weist der Bestand der Universitätsbibliothek Wien auf, der sich auf die Hauptbibliothek und dezentrale Bibliotheken verteilt. Das Angebot wurde 2013 mit rund 6.084.438 Entlehnungen äußerst rege genutzt; im Schnitt liest eine Studentin bzw. ein Student 32 Bücher pro Semester.

2.500.000 Euro beträgt das Gesamtvolumen von PEEK, dem "Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste" des FWF, welches exzellente "arts-basedresearch" unterstützt.

1.880.190 Quadratmeter beträgt die Nutzfläche aller Unis in Österreich (Stand 2012), dafür zahlen diese insgesamt rund 230 Mio. Euro an Miete pro Jahr an die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). 343.271 Quadratmeter davon nutzt die Universität Wien, die sich auf insgesamt 79 Standorte verteilt: 72 in Wien, fünf in Niederösterreich, je einer in Oberösterreich und Salzburg.

273.280 ordentlich Studierende, davon 53 Prozent Frauen, waren im Studienjahr 2013/14 an öffentlichen Universitäten inskribiert. 62 Prozent sind sogenannte prüfungsaktive Studierende, die in einem Studienjahr mehr als 16 ECTS erreichen.

174.752 Studierende haben im Studienjahr 2013/14 ein Bacherlorstudium inskribiert (inkl. Lehramtsstudien), 47.541 Studierende bemühen sich um den Masterabschluss.

44.860 Studierende, also etwa 15 Prozent, bezogen im Studienjahr 2012/13 Studienbeihilfe in der Höhe von 181,9 Mio. Euro. Mit 19,5 Prozent ist der Anteil der Beihilfenbeziehenden bei den Studierenden der Veterinärmedizin am höchsten, mit 9,5 Prozent bei den Studierenden der Theologie am geringsten. Wer Anspruch auf eine Studienbeihilfe hat, ist im Studienförderungsgesetz von 1992 geregelt.

28.099 Doktoranden, davon 47 Prozent Frauen, gibt es in Österreich. 7.500 verfassen ihre Dissertation in einem Fach der Geistes-und Kulturwissenschaften, 5.900 in den Ingenieur-bzw. Technikwissenschaften und 1.990 in einem medizinischen Studienfach.

23.275 Studierende nutzten 2013/14 die Möglichkeit, in Mobilitätsprogrammen als "Outgoing" in einem anderen Land zu studieren oder als "Incoming" aus dem Ausland eine österreichische Universität oder Fachhochschule zu besuchen. Besonders beliebte Gastländer österreichischer Studierender sind Deutschland, Spanien oder Frankreich.

11.662 Ratsuchende wandten sich 2013 an die sechs Psychologischen Beratungsstellen für Studierende. 37 Prozent davon zur Beratung im psychischen Bereich, 22 Prozent hatten Probleme mit ihrer Studienwahl, und 18 Prozent suchten Rat zu den Themen Lernen, Arbeit (z.B. Vereinbarkeit von Studium und Arbeit) und Prüfungen (Bewältigung von Prüfungsangst und Konzentrationsproblemen). Die größte Gruppe bildeten Studierende der Geisteswissenschaften mit einem Anteil von 22,3 Prozenten; Studierende der BOKU oder Doktoranden nahmen hingegen diese Hilfe gar nicht in Anspruch.

9.948 Interessentinnen und Interessenten traten 2014 zum Medizin-Aufnahmetest an (Human-und Zahnmedizin), 1.560 Studienplätze konnten, verteilt auf die Standorte Graz, Innsbruck, Wien und seit heuer erstmals in Linz, vergeben werden. 75 Prozent der Plätze sind für Österreicherinnen bzw. Österreicher reserviert.

5.067 Interessentinnen und Interessenten gab es zu Beginn des Wintersemesters 2014 für das Studium Psychologie, 500 Kandidatinnen und Kandidaten erhielten nach dem Aufnahmetest einen Studienplatz.

4.000 als deutsch-national eingestufte Burschenschaftler (Aktive sowie "Alte Herren") gibt es in Österreich, organisiert in etwa 60 schlagenden Verbindungen. Vereinzelt existieren auch sogenannte "Mädelschaften"(z. B. die "Freya"), ihr Anteil am deutschnationalen studentischen Milieu wird jedoch nur auf maximal zwei bis drei Prozent geschätzt. Insgesamt befinden sich 34.000 Österreicherinnen und Österreicher in studentischen Verbindungen.

2.333 Professuren gab es in Österreich im Studienjahr 2012/13. Etwa ein Fünftel davon wird von Frauen, deren Anteil in den letzten Jahren leicht gestiegen ist, ausgeübt.

1897 war das Jahr, in dem Frauen in Österreich als ordentliche Hörerinnen erstmals zugelassen wurden, allerdings vorerst nur an der Philosophischen Fakultät, drei Jahre später dann auch in der Medizin. Elise Richter habilitierte sich 1907 als erste Frau in der Romanistik.

1365 ist das Gründungsjahr der Universität Wien; sie ist somit die älteste Universität im deutschen Sprachraum. Gegründet wurde die Universität Wien mit drei Fakultäten: Philosophie, Jurisprudenz und Medizin. Der theologischen Fakultät stimmte der Papst erst im Jahr 1384 zu.

920 Sitzplätze hat das Audimax, der größte Hörsaal der Universität Wien, und ist trotzdem zu klein für so manche einführende Lehrveranstaltung. Abseits vom regulären Betrieb war das Audimax immer auch Zentrum des politischen Universitätslebens -sogar besetzt und bekocht während der "unibrennt"-Bewegung (daher: Audimaxismus). Zwischendurch ist das Audimax beliebter Veranstaltungsort für Kabaretts und bebilderte Reisevorträge.

650 Euro beträgt in Niederösterreich und im Burgenland die Entlohnung im Klinisch-Praktischen Jahr (KPJ), das Studierende der Medizin im letzten Studienjahr absolvieren müssen. In Vorarlberg wurde eine ähnliche Vereinbarung getroffen (dort beträgt die Aufwandsentschädigung 579,70 Euro pro Monat).

381,86 Euro beträgt die Studiengebühr an öffentlichen Hochschulen (inklusive ÖH-Beitrag von 18,50 Euro), sobald die Mindeststudienzeit inklusive Toleranzsemester überschritten wird (ausgenommen sind internationale Studierende aus den nach der OECD-DAC-Liste am wenigsten entwickelten Ländern).

237 verschiedene Kurse bietet das Universitätssportinstitut (USI) auf der Schmelz in Wien und an anderen Standorten, um für die notwendige Abwechslung im Studium zu sorgen. Darunter auch exotische Kurse wie z.B. Clownerie, Fliegenfischen oder Unterwasserrugby.

163 unterschiedliche Staatsangehörigkeiten haben Studierende an öffentlichen Universitäten im Wintersemester 2013/14, von A wie Äquatorialguinea über Palau bis Z wie Zypern.

81 Habilitationen wurden 2012 von Frauen abgeschlossen, 181 von Männern. Zusammengefasst werden die meisten Habilitationen in den Human-bzw. Naturwissenschaften abgeschlossen, gefolgt von den Geisteswissenschaften. Im Bereich der Erschließung und Entwicklung der Künste habilitierten 2012 zwei Frauen, aber kein einziger Mann.

77 Prozent beträgt die Übertrittsrate von Bachelor-in Masterstudien an öffentlichen Universitäten in Österreich innerhalb eines Jahres nach Studienabschluss im Jahr 2014.69,61 Prozent der Masterstudierenden bleiben ihrer Studienrichtung treu und bleiben zum Großteil auch an derselben Universität (95 Prozent).

64 Starting Grants und 37 Advanced Grants vergab der ERC (European Research Council) an Forscherinnen und Forscher österreichischer Einrichtungen (Stand November 2013).

58 Diplomstudien werden an den Universitäten angeboten (Stand 2013), im Jahr 2004 waren es noch 221. Das Studienangebot wird sukzessive der internationalen Bologna-Architektur angepasst (Bachelor - Master -PhD). Zu den letzten Diplomstudien gehören die Kunst-und Musikstudien, Human-, Zahn-und Veterinärmedizin, Pharmazie, Rechtswissenschaften, Katholische Theologie sowie Wirtschaftsrecht und Wirtschaftspädagogik. An den Fachhochschulen werden seit 2011 keine Diplomstudien mehr angeboten.

55 Jahre ist die Altersgrenze, ab wann eine Studentin als "Seniorin" gilt; bei Männern liegt die Grenze bei 60 Jahren. Genau 62 Jahre beträgt die Differenz zwischen dem ältesten Universitätsabsolventen (Doktor der Medizin mit 78 Jahren, 2012) und dem jüngsten Absolventen, der mit 16 Jahren im Jahr 2008 einen Bachelor in Informatik erwarb. Im Studienjahr 2013/14 fanden rund 3.800 "Seniorstudierende" ihren Weg in die Hörsäle, also 1,4 Prozent der Studierenden. Zu ihren beliebtesten Fächern zählen Geschichte, Philosophie oder Germanistik.

40 Jahre lang versorgen bereits "Mensa"-Standorte in ganz Österreich die Studierenden mit den nötigen Nährstoffen für ein ausgewogenes Studentenleben. 2013 wurden für über vier Millionen hungrige Studierende (Tagesdurchschnitt: 15.000) rund 50 Tonnen Teigwaren, 70 Tonnen Pommes Frites und Kroketten und 400 Tonnen Fleisch und Wurst sowie 60 Tonnen Geflügel verarbeitet.

16 nationale Patenterteilungen erhielt die TU Wien im Jahr 2013 und liegt damit an der Spitze unter Österreichs Universitäten und auf Platz sechs im Erfindungsranking 2013 des Österreichischen Patentamts.

10 verschiedenen Parteien konnten die Studierenden bei der letzten ÖH-Wahl 2013 bundesweit ihre Stimme geben. Die Bandbreite reicht vom Kommunistischen StudentInnenverband bis zum Ring Freiheitlicher Studenten.

0 Aufnahmetests gibt es an der Montanuniversität Leoben. Die Universität hat ausreichende Kapazitäten und betont, die Anzahl der Studienplätze sei nicht begrenzt, Interessierte sind also willkommen!

Quellen: Homepage des bmwfw Unidata, hochschulstatistisches Informationssystem des bmwfw bmwfw, Wissenschaft in Österreich/Statistiken, 2014 Statistik Austria Österreichische Agentur für Wissenschaftliche Integrität, Kommission für wissenschaftliche Integrität. Jahresbericht 2013, Wien 2014

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige