Was am Ende bleibt

Freimaurermysterien

Erich Klein | aus HEUREKA 1/15 vom 08.04.2015

In Beantwortung der Frage "Was ist Aufklärung" schrieb Immanuel Kant 1784: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit." Im selben Jahr trat der achtundzwanzigjährige Mozart in Wien der Freimauerloge "Zur Wohltätigkeit" bei. Dem europäischen Trend folgend, hatten auch im Zentrum der Habsburgermonarchie die "Lumières" Einzug gehalten.

Eine elitäre Gesellschaft aus Adel, Beamten-Bürgertum und Geistlichkeit zelebrierte in den Logen die ideale Gesellschaft. Der Staat von Joseph II. wollte reformiert werden. Wie ernst Mozart sein Freimaurertum nahm, ist bis heute unklar: Ging es ihm um Geselligkeit, bloßes Networking, oder war der Verfasser einiger Maurermusiken gar der Tonsetzer der geheimbündlerischen Wiener Aufklärer?

Genau das weist der prominente Kulturwissenschafter Jan Assmann in seiner Studie "Die Zauberflöte - Oper und Mysterium" nach: Das Verwirrspiel mit Tamino auf der Suche nach seiner Pamina und dem gestrengen Weisen Sarastro samt Tempel und Königin der Nacht stelle ein Erweckungsritual dar. "In der Tat kann man sagen, dass die Oper den Gedanken der Aufklärung mit all seinen rituellen Prozess auf die Bühne bringt: Initiation als Aufklärung, als Ausgang des Initianden aus seiner allerdings nicht selbst verschuldeten, sondern ihm aufoktroyierten Unmündigkeit."

Was aus der Paraphrase der Kantschen Definition von Aufklärung folgt, ist zwiespältig. Während der Philosoph Unmündigkeit als "Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen" definiert, empfiehlt der Kulturologe, in die Oper zu gehen! Eine fast austriakische Lösung. Fand in Wien Kunst vonseiten der Herrschenden doch immer mehr Zuspruch als selbstständiges Denken.

Wo aber bleibt bei soviel aufklärerischen Freimaurermysterien der Spaß der geradezu postmodernen Zauberflöte, die "von Albernheiten und Unwahrscheinlichkeiten"(Goethe) geradezu wimmelt? Überdies hatte Mozart mit der Figur des dadaistisch leichtfüßigen Papageno eine Bestandsaufnahem hiesiger Denkungsart unternommen. "Aus lauter langer Weile habe ich heute von der Oper eine Arie componirt", schrieb Mozart am 11. Juni 1791 an Constanze. Die Vorstellung, es habe sich dabei um den berühmtesten Gassenauer der klassischen Musik gehandelt, ist tröstlich: "Der Vogelfänger bin ich ja, stets lustig, heissa hopsassa."

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