Freistetters Freibrief

Einstein allein

Florian Freistetter | aus HEUREKA 1/15 vom 08.04.2015

Vor einhundert Jahren vollendete Albert Einstein die Arbeit an seiner Allgemeinen Relativitätstheorie. Er fand einen neuen Weg, die Welt zu beschreiben. Die wissenschaftliche Revolution, die damals ihren Anfang genommen hat, dauert immer noch an. 18 Jahre nach dieser großen Leistung emigrierte Einstein in die USA, um dort eine Professur am Institute for Advanced Study (IAS) anzutreten. An dieser privaten Forschungseinrichtung in Princeton sollte er bis zu seinem Tod im Jahr 1955 bleiben.

Das IAS wurde explizit als "Elfenbeinturm" für die besten Forscher gegründet, die weder Studierende betreuen noch Vorlesungen halten müssen.

Einstein verbrachte 22 Jahre am Institute for Advanced Study und versuchte seine Theorie der Gravitation mit der des Elektromagnetismus zu vereinen. Das gelang ihm nicht - und auch sonst keine wissenschaftlichen Ergebnisse, deren Bedeutung seinen früheren Resultaten gleich kamen.

So ging es auch den meisten anderen großen Wissenschaftern am IAS: Die Isolation in Princeton schien neuen Erkenntnissen nicht gut zu tun. Die Trennung des Instituts vom normalen Forschungs- und Hochschulbetrieb war für viele auch der Grund, einen Ruf an das IAS auszuschlagen. Nobelpreisträger Richard Feynman dazu: "Die armen Bastarde können nun in Ruhe herumsitzen und ganz für sich allein nachdenken. Und dann bekommen sie vielleicht für eine Zeitlang keine neuen Ideen. Ich denke, dass man sich in solch einer Situation leicht schuldig oder depressiv fühlen kann." Feynman war überzeugt, dass nur der Kontakt mit der Außenwelt und vor allem den Studierenden zu neuen Erkenntnissen führt: "Nichts passiert, weil es nicht genug echte Aktivitäten und Herausforderungen gibt. Es gibt keinen Kontakt mit den Forschern, die Experimente durchführen. Man muss nicht darüber nachdenken, wie man Fragen von Studierenden beantwortet."

Forschung darf nicht abgekoppelt vom Rest der Welt stattfinden. Sie braucht den Kontakt zur Öffentlichkeit, und die Wissenschafter müssen ihre Erkenntnisse an die nächste Generation weitergeben. Der Elfenbeinturm funktioniert nicht. Nicht einmal für Albert Einstein.

Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simple

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