Die Psyche: Das Glossar

Jochen Stadler | aus HEUREKA 1/15 vom 08.04.2015

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Betroffenen benehmen sich in zwischenmenschlichen Beziehungen und zu sich selbst für Außenstehende unverständlich. Ihre Stimmungen, Beziehungen und Selbstbilder schwanken zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

Depressionen

Sumpf aus geistiger Niedergeschlagenheit, aus dem man sich entgegen der allgemeinen Ansichten nicht durch eigene Willenskraft quasi an den eigenen Haaren herausziehen kann.

Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Die Fähigkeit, andere ohne jegliches Mitleid auszunützen. Macht sich meist schon im Schulalter bemerkbar durch häufiges Lügen, Stehlen und die Unfähigkeit, durch Erfahrung soziale Regeln zu lernen. Weil sie sich nicht in andere Menschen hineinversetzen können, entwickeln die Betroffenen kein Schuldbewusstsein. Ihr übersteigertes Selbstwertgefühl lässt sie vordergründige Rationalisierungen für asoziale Taten erfinden, oder sie beschuldigen einfach andere.

Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

Macht Menschen launenhaft. In einem Augenblick fühlen sie sich wie auf Wolke sieben, im nächsten am Boden aufgeschlagen. Sie können rasch von charmant und verführerisch auf feindselig umschwenken. Viele wechseln oft ihre (Ehe-)Partner.

Empathie

Fähigkeit zu erkennen und zu empfinden, was in einem anderen Lebewesen vorgeht.

Es

Teufelchen in der Seele, dass uns stets an Sex, Essen und Rock'n'Roll denken lässt und ungern wartet.

Fremdbild

Oberflächliche Skizze, mit der uns andere völlig verzerrt darstellen, weil sie die versteckten Talente und innere Schönheit nicht erkennen können.

Gestört

Schnelldiagnose von Laien, um die Gründe für das Verhalten so mancher Autofahrer, Chefs und Konkurrenten zu charakterisieren.

Hilfs-Ich

Bei Patienten mit zwischen Es und Über-Ich hilflos überfordertem Ich kann der Psychotherapeut dieses mittels "Hilfs-Ich" unterstützen. Dafür spricht er Gedanken sowie Emotionen zu gewissen Situationen für den Patienten laut denkend vor.

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Die Betroffenen neigen zu theatralischem Verhalten, dramatisieren jedes Problem und sind oberflächlich und launisch. Ihr Lebensziel ist reich und schön zu sein.

Ich

Zwischen dem stets fordernden Es und dem allzeit maßregelnden Über-Ich in der Zwickmühle steckende, ausführende Instanz unserer Psyche. Von den häufig unrealistischen Ansprüchen nicht selten überfordert.

Kombinierte Persönlichkeitsstörung

Merkmal von Serienmördern, Sektenführern, Diktatoren und so manchen Wildwest-Legenden.

Magisches Denken

Phase in der kindlichen Entwicklung, wo man an Macht und Wirkung von Amuletten, übernatürlichen Kräften, Geheimgesellschaften und Globuli glaubt.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Die Betroffenen zeichnet ein bis zum Kitsch geschöntes Selbstbild aus, sie suchen ständig die Bewunderung anderer. Dazu bedienen sie sich des Selbstmitleids genauso wie der Intrige. Kritik fassen sie ob ihrer extremen Unsicherheit als Angriff auf.

Neurose

Früher Bezeichnung für Nervenkrankheit ohne erkennbaren körperlichen Grund. Heute ist dieses Wort in Fachkreisen ziemlich tabu.

Normopathie

Krankhaftes Normalsein. Die Betroffenen passen sich zwanghaft an alle möglichen Regeln und Normen an, um ja nicht aufzufallen und als abnormal zu gelten.

Paranoide Persönlichkeitsstörung

Führt dazu, dass man sich vor Flüchtlingen, Moslems, Juden, Bankern, Radfahrern, Gutmenschen, Impfungen und vielem anderen fürchtet, während man übersieht, dass man mit dieser "Einstellung" gefährlich ist.

Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung

Spornt zu Höchstleistungen an, sich konstruktiver Arbeit zu widersetzen. Mit pubertärem Trotz wird jegliche Anforderung für sinnlos erklärt und Fortschritt durch passiven Widerstand unterminiert. Die Betroffenen fühlen sich von allen missverstanden, sind streitsüchtig und vor allem neidisch.

Persönlichkeitsstörung

Chronisch krankhaftes Verhalten einer Person, das manchmal die Betroffenen, viel öfter aber ihr Umfeld leiden lässt.

Pseudologie/Mythomanie

Manisches Verlangen zu lügen, um damit Geltung und Anerkennung einzuheimsen.

Psychiater

Facharzt für "die Lehre von seelischen Störungen" und deren oft spärlichen Heilungsmöglichkeiten.

Psychodrama

Inszenierung des seelischen Leidensweges vor dem Psychotherapeuten oder einer Patientengruppe, um Probleme zu erkennen und zu überwinden.

Psychologe

Akademische Person, die sich wissenschaftlich mit der Geisteswelt beschäftigt, ihre Beeinflussbarkeit durch Werbung erkundet, wissen will, wie Autofahrer und Schwerverbrecher ticken, oder Mobbingopfer berät.

Psychopath

Ungustl mit kombinierter Persönlichkeitsstörung. Empfindet Fehlen von Empathie und Gewissen als Auszeichnung und besitzt kaum Selbstkontrolle.

Psychopathen-Checkliste

Vom kanadischen Kriminal-Psychologen Robert D. Hare erstellter Persönlichkeitstest, der Psychopathen-Eigenschaften wie oberflächlichen Charme, ein übersteigertes Selbstbild, Pseudologie, fehlende Empathie, mangelhaftes Verantwortungsgefühl und schlechte Selbstbeherrschung erfasst.

Psychose

Schwere psychische Störung, welche die Wahrnehmung zumindest zeitweise von der Realität entkoppelt.

Psychotherapeut

Pfleger, Soziologe, Publizist, Eheberater, Pädagoge, Theologe, Sozialarbeiter, Psychologe oder Mediziner, der eine Ausbildung in einer von dreiundzwanzig Physiotherapie-Methoden erfolgreich abgeschlossen hat.

Schizoide Persönlichkeitsstörung

Die Betroffenen schätzen die Fantasie mehr als Erfahrungen mit der Außenwelt. Sie können Gefühle wie Freude und Leid nur begrenzt erleben und ausdrücken. Die Nähe anderer Personen und Veränderungen setzen sie unter Druck, sie leben daher meist sehr zurückgezogen.

Schizophrenie

Durch Störungen im Wahrnehmen, Denken und der Ich-Funktion hört man Stimmen, glaubt, kontrolliert zu werden, die Gedankengänge sind nicht flüssig und man hat den Eindruck, sie werden von außen diktiert.

Selbstbild

Nur allzuoft maßlos geschönte Vorstellung des eigenen Wesens.

Selbsterfahrung

Psychotherapeuten testen ihre Methoden am eigenen Leib und Geist, bevor sie damit auf ihre Patienten losgehen. Sigmund Freud etwa unternahm Selbstversuche mit Kokain.

Selbstwertprobleme

Indikation, um sich einen fetten SUV, das neueste iPhon und den flachstmöglichen Großbildfernseher zuzulegen.

Sexualtherapie

Psychotherapeutischer Ansatz, um Lustlosigkeit, Impotenz oder fehlende Partnerschaft zu heilen.

Suizidversuch

Eines der besten Beispiele, dass Versagen nicht immer negativ zu bewerten ist.

Typenlehre

Der Versuch, die Eigenart eines Menschen als Mischung von vier Elementen, Körpersäften oder Gehirnquadranten zu sehen.

Über-Ich

Durch Erziehung etablierte psychologische Höchstinstanz und Austeiler von Schuldgefühlen im Dienste des sozialen Gemeinwohls.

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Das Verfolgen perfektionistischer Vorgaben, die weit in die Zukunft verlegt werden, damit sie realisierbar scheinen. Den Weg dahin pflastern die Betroffenen so dicht mit Zwischenkontrollen, Vorsichtsmaßnahmen und Zweifeln, dass sie das Ziel nie erreichen können und müssen.

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