Medizin

Herzverpflanzung bei Babys verschiedener Blutgruppen

Auch in Österreich werden solche medizinische Eingriffe bei Babys in wenigen Monaten möglich sein

Dieter Hönig | aus HEUREKA 1/15 vom 08.04.2015

Seit zehn Jahren lebt Luis jetzt auf dieser Welt. Dass er es bis heute geschafft und sich zu einem gesunden Kind entwickelt hat, ist im Jahr 2005 die medizinische Sensation gewesen: Denn in der Brust des Kindes schlägt das Herz eines toten Babys, das eine andere, inkompatible Blutgruppe hatte.

Bisher galt es als Dogma einer erfolgreichen Transplantation, dass die Blutgruppen zwischen Organspender und -empfänger übereinstimmen.

"Leider haben aber gerade deshalb bisher viele Säuglinge die Wartezeit nicht überlebt", erläutert der Münchner Kinderkardiologe Heinrich Netz vom Universitätsklinikum Großhadern die Vorgeschichte. "Es werden uns zwar von Eurotransplant immer wieder Herzen von verstorbenen Babys und Kleinkindern gemeldet, aber meist zur falschen Zeit mit der falschen Blutgruppe."

Darum wurde unter Transplantationsmedizinern immer öfter darüber nachgedacht, ob man diese Grenze nicht überschreiten könne. In der Herzchirurgischen Uniklinik von Großhadern hatte man erstmalig in Europa die Verpflanzung je eines nicht kompatiblen Herzens bei zwei Kindern, die sonst gestorben wären, gewagt. Der Trick, der die Kinder rettete: Ihr Blut wurde vor der Operation über die Herz-Lungen-Maschine in einen Filter geleitet, der das Blutplasma mitsamt den Antikörpern gegen falsche Blutgruppen herauswusch, während neues Plasma zugeführt wurde.

"Bei den jüngsten Patienten funktionieren solche Herztransplantationen viel besser als in anderen Altersgruppen, weil sie in dem Alter noch keine Antikörper gegen fremde Blutgruppen entwickelt haben", erklärt Lori West, Leiterin des kanadischen Transplantations-Forschungsprogramms der Universität Alberta. "Antikörper tauchen erst mit ein paar Lebensmonaten im Körper auf. Nach einer Transplantation toleriere das Immunsystem die andere Blutgruppe des Spenderherzens aber lebenslang."

Auch in Österreich sollen schon in wenigen Monaten derartige Eingriffe möglich sein, berichtet Andreas Zuckermann, Leiter des Herz-Transplantationsprogramms an der MedUni Wien. Das AKH arbeitet hier mit den Pionieren der "Blutgruppen-inkompatiblen Herztransplantation" der Universität Alberta zusammen.

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