Gedicht

aus HEUREKA 2/15 vom 27.05.2015

FRIEDRICH ACHLEITNER: IN EIGENER SACHE

es ist immer etwas eigenes, in eigener sache zu sprechen.

eigentlich liegt es mir gar nicht. was heißt schon eigen?

man muss bezweifeln, ob es sich überhaupt um eine sache

handelt. mit sachen könnte man ja handeln, das liegt in

der natur jeder sache. auch mit eigenen sachen. Aber in

eigener sache? mit der eigenen sache, sagt mir ein freund,

ist das so eine eigene sache. das wird immer missverstanden.

wenn mir jemand mit einer eigenen sache kommt, hör ich

schon weg. und in meiner sache hat noch nie jemand mit

mir gesprochen. das fände ich spannend. da würde ich gleich

hinhören.

Friedrich Achleitner, geboren 1930 in Schalchen, Oberösterreich, war Mitglied der Wiener Gruppe und bis 1989 Professor an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Zuletzt erschien: "iwahaubdd" (2011),"Den toten eine Blume. Die Denkmäler von Bogdan Bogdanivic"(2013), "wortgesindel"(2015) und "Friedrich Achleitners Blick auf Österreichs Architektur nach 1945"(2015).

Aus: friedrich achleitner: wortgesindel

Paul Zsolnay Verlag, Wien 2015

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