Was am Ende bleibt

Glamour in der Politik

ERICH KLEIN | aus HEUREKA 2/15 vom 27.05.2015

Glamour hat in der Politik eigentlich nichts verloren. Kommt der österreichische Bundespräsident zur Sache, spricht er von "Res publica". Nicht einmal wienerischen Glamour wird man Heinz Fischer deshalb attestieren. Aus anderen Gründen ähnlich verhält es sich mit österreichischen Provinzpolitikern, Landesfürsten und Populisten. Ihr Bekanntheitsgrad reicht von Dorf-Disco zu Dorf-Disco. Eigentlich ist das doppelte Gedenkjahr - siebzig Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs und sechzig Jahre Staatsvertrag - mit seinem Gemisch aus Befreiung und Freiheit, Trauer und Freude, kein Anlass für Glamour. Dennoch - ein Hauch glamouröser Geschichte wehte durchs Land.

Seinen Ursprung hat politischer Glamour vermutlich im Krieg. Bei Kriegsbeginn wurden Göttinnen oder ihnen Vergleichbare angerufen. Glamour umgab Helden wie Achilles oder David, nicht anders verhielt es sich mit Alexander oder Napoleon. Das Ende von miltärischem Glanz und Gloria erfolgte in den Stellungskriegen des Ersten Weltkriegs.

Hat der Glamour auch eine "menschelnde" Seite? Über Diktatoren und Massenmörder darf sich niemand Illusionen machen. Doch sind es gerade sie, die Glamour, dieses Spiel von Distanz und Geheimnis, zum Faktor der Politik machen. Bei demokratisch gewählten Politikern ist es wohl John F. Kennedy, von 1961 bis zu seiner Ermordung 1963 Präsident der USA, der Glamour ausstrahlte.

Seine Macht bestand unter anderem darin, den Kommunisten in der Kubakrise Widerstand zu leisten. Legendär ist seine Antwort auf den Bau der Berliner Mauer: "Ich bin ein Berliner!" Kennedy symbolisierte mit Jugendlichkeit und gutem Aussehen politischen Wandel. Seinem diesbezüglich ebenbürtigen Nachfolger Barack Obama blieb es nur, den Glamour-Slogan in die Schlacht zu werfen: "Yes, we can!

Obamas russisches Gegenstück Wladimir Putin, ein Dreiviertel-Zar zu Lebzeiten, setzt üblicherweise auf imperialen Kreml-Glamour. "Glamour ist eine Weise, selbst der Tragödie eine Art Charme zu verleihen", meinte die Autorin Linor Goralik einmal mit kritischem Blick auf Putin. Jüngst, bei den Feiern zum Sieg über Nazi-Deutschland auf dem Roten Platz zeigte auch Putin, dass er es kann. Wo Trauer angesagt wäre, zog sich der russische Präsident das Mäntelchen des glamourösen Triumphators über. Von "Res publica" ist in Moskau ohnedies nicht die Rede.

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