Zoologie

Vögel sind keine Machos

Regenpfeifermännchen beteiligen sich zuverlässig an der Brutpflege - aus gutem Grund allerdings nur nachts

USCHI SORZ | aus HEUREKA 2/15 vom 27.05.2015

Nur mit bunten Federn protzen, aber das Brüten den Weibchen überlassen? Von wegen! Clemens Küpper von der Universität Graz hat Vogelmännchen von ihrem Macho-Image rehabilitiert: "Der australische Rotkopfregenpfeifer kümmert sich fürsorglich um seinen Nachwuchs", stellt der Universitätsassistent für Biodiversität und Evolution klar.

"Auch bei vielen anderen Vögeln gibt es eine elterliche Arbeitsteilung beim Brüten." Die Regenpfeifermännchen leisten ihren Anteil vorwiegend nachts. "Warum das so ist, war bis jetzt unklar", so Küpper. Auf Einladung des Forschers Mike Weston arbeitete er an einer Studie der Deakin University in Melbourne zum Brutverhalten dieses Vogels mit. Er ist Co- Autor der jüngst im renommierten Fachmagazin Proceedings of the Royal Society B publizierten Ergebnisse.

"Nestkamera-Aufnahmen zeigten uns, dass die Weibchen nur tagsüber brüten und die Männchen nur nachts", erzählt Kasun Bandara Ekanayake, ein australischer Doktorand, mit dem Küpper eng zusammenarbeitete. Wobei die Koordination des Schichtwechsels den aus Sri Lanka gebürtigen Ökologen enorm beeindruckte.

"Dieser war präzise wie ein Uhrwerk auf die Dämmerung abgestimmt." Aufgrund der roten Kappe der Männchen stellten die Wissenschafter die Hypothese auf, dass das an der Bedrohung der Nester durch die Gesellschaftskrähe liege. "Um das zu testen, stellten wir männlich und weiblich gefärbte Modelle neben Nester mit Wachteleiern und kontrollierten deren Überleben", so Ekanayake. "Die Nester neben den auffälligen Männchen überlebten tagsüber viel schlechter als die neben den Weibchen, während es nachts keinen Unterschied gab." Ein Nachweis der Hypothese des großen Evolutionsbiologen Alfred Wallace, dass sich schlichte Weibchenfärbung für die Brut auszahle.

"Er war der Ansicht, dass Fressfeinde die Nester von augenfälligen Weibchen schnell vernichten würden", ergänzt Küpper. Allerdings gebe es noch andere Unterscheidungsmerkmale zwischen den Geschlechtern als die Farbe, und nicht alle Arten würden Teamwork betreiben. Zudem würden einige Fressfeinde auch ihren Geruchssinn nutzen.

"Es braucht ein System wie den Rotkopfregenpfeifer, um die Idee von Wallace zu überprüfen", so Küpper. "Unsere Studie ist der erste experimentelle Beweis dafür, dass es nur die Färbung ist." Der heimische Seeregenpfeifer, der am Neusiedler See brütet, verhält sich übrigens ähnlich.

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