Medizin

Allergien stehen im Mittelpunkt des Interesses und sind weiterhin auf dem Vormarsch

DIETER HÖNIG | aus HEUREKA 2/15 vom 27.05.2015

Jede und jeder vierte Mensch in Österreich, darunter viele junge, leidet an einer Allergie, Tendenz steigend. Allergien zählen zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Normalerweise kann das Abwehrsystem zwischen körpereigenen und körperfremden unterscheiden.

Bei einer Allergie bekämpft das körpereigene Immunsystem nicht nur schädliche Krankheitserreger, sondern richtet seine Abwehrkräfte auch gegen an sich völlig harmlose "Feinde" wie bestimmte Nahrungsmittelbestandteile, Hausstaub, Metalle oder Blütenpollen.

"Aufgrund des oft diffusen Krankheitsbildes werden Allergien häufig nicht richtig oder zeitgerecht diagnostiziert. Auch Blutlabor und Allergieaustestung reichen mitunter nicht aus, um die ganze Tragweite des gestörten Immunsystems zu diagnostizieren", weiß der Internist und klinische Immunologe Peter Peichl.

Gezielte Organuntersuchungen und eine genaue Hinterfragung sind unerlässlich, um die volle Dynamik der Krankheit zu erkennen. Denn Autoimmunstörungen können sich zu lebensbedrohlichen Erkrankungen entwickeln. "Ich muss ganz einfach alles wissen, auch die vermeintlich geringfügigsten Beschwerden, die ein Patient irgendwann einmal gehabt hat", erklärt Peichl

Warum das Problem gerade in westlichen Industrienationen zunimmt, wird derzeit in Expertenkreisen heftig diskutiert. Eine häufig geäußerte Hypothese besagt, dass besonders hygienische Lebensverhältnisse die Entstehung von Allergien fördern, wogegen Menschen, die in der Umgebung harmloser Keime aufwachsen (z.B. auf Bauernhöfen), von Kind auf eine gezielte Immunabwehr entwickeln. "Pollen im verkehrsreichen Stadtzentrum wirken eben anders als im tiefen Wald", so Peichl.

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