In die Cloud? Aber sicher!

Bald wird Cloud-Computing aus unserem Arbeitsalltag und der Freizeit genauso wenig wegzudenken sein wie das Internet

Uschi Sorz | aus HEUREKA 3/15 vom 01.07.2015

Cloud-basierte Dienste? Wie wäre es mit Dropbox, Netflix oder Facebook? "Cloud wird zu einschneidenden Veränderungen der Informatiklandschaft führen", prognostiziert A Min Tjoa, Vorstand des Instituts für Softwaretechnik und Interaktive Systeme an der TU Wien. "Fast die gesamte Software wird bald in der Cloud sein." Also in auf der Welt verstreuten Rechnernetzwerken von Anbietern, die Rechenleistung, Speicherkapazität und Software bedarfsgerecht und temporär vermieten.

Tjoa sieht das nicht negativ. "Für KMU etwa, die sich keinen erstklassigen IT-Support leisten können, hat das viele Vorteile." Teure Hardware erspare man sich, Softwareeinsatz könne man an Arbeitsspitzen anpassen, und der geringere Energieverbrauch komme der Umwelt zugute. "Knackpunkt ist natürlich die Sicherheit." Sein Institut ist als Teil des COMET-Exzellenzzentrums der Bundesregierung in zahlreiche Forschungsprojekte für eine sichere und datenschutzkonforme Cloud-Technologie eingebunden.

"Man sollte genau abwägen, welche Daten man unter welchen Bedingungen in der Cloud ablegt und das Kleingedruckte der Anbieter lesen", empfiehlt auch Thomas Fahringer von der Uni Innsbruck. Er leitet unter anderem das H2020-EU-Projekt EntICE. Sein Ziel: die vereinfachte Entwicklung und optimierte Installation von virtuellen Maschinen auf Cloud-Infrastrukturen.

"Wir möchten die Vorteile von Containerdiensten, die schneller verfügbar sind als gängige Infrastrukturdienste, für Clouds nutzen. Anwendungen sollen leichter portierbar werden." Virtuelle Maschinen sind meist Kopien von Betriebssystemen, denen beim Cloud-Anbieter Leben eingehaucht wird. "Sie beinhalten auch Dinge, die man nicht wirklich braucht, wie Kartenspiele. Solche Files, die nur Speicherplatz verschwenden und Zeit rauben, versuchen wir zu eliminieren." Neue CloudRechner könne man dann viel schneller und damit auch effizienter starten. "Außerdem wollen wir die Elastizität von Clouds verbessern."

Elastizität ist das Stichwort für Schahram Dustdar, jüngst unter die Top 5 der Welt für Cloud-Computing gelistet. "Mit Elastic Computing kann sich die Rechenleistung dem Bedarf anpassen", sagt der Professor am Institut für Informationssysteme der TU Wien.

"Es geht noch weiter als Cloud-Computing, indem es außer Ressourcen auch Qualitäts-und Kostenaspekte einbezieht." Zudem könne man die Dinge hier nicht nur miteinander vernetzen, sondern auch koordinieren. Etwa wenn sich die Leistung der Klimaanlage eines Smart-City-Gebäudes an die Zahl der anwesenden Personen anpassen soll.

"Diese Kontextabhängigkeit kann ich ausdehnen auf viele Fragestellungen innerhalb einer Stadt oder eines Landes", zeichnet Dustdar ein Zukunftsszenario. "Wir arbeiten an zahlreichen Spezifikationsund Monitoringtechnologien dafür." Wesentlich dabei sei Privacy: "Auch die ist kontextabhängig."

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