Gastkommentar

Weltmacht Computer

Gabriele Anderst-kotsis | aus HEUREKA 3/15 vom 01.07.2015

So lautet der Titel eines Buches, das der österreichische Computerpionier Heinz Zemanek 1990 veröffentlicht hat. Darin zeichnet er ein positives Bild eines "Weltreichs der Information", vertritt aber nicht eine Politik der blinden Technikgläubigkeit, sondern fordert eine kritische Ausein-andersetzung mit neuen Technologien. Wie steht es heute, ein Vierteljahrhundert später, mit dem Bild der Informatik? Beherrschen wir die Informatik, oder beherrscht sie uns?

Die Antwort der Wissenschaft ist klar: Die Umsetzung von Forschungsergebnissen der Informatik erleichtert unser Leben in nahezu allen Bereichen. In der Forschung eröffnet sie allen Disziplinen neue Methoden und Anwendungsmöglichkeiten. Sie positioniert sich somit erfolgreich in der Wissenschaftslandschaft, auch mit vielen Beiträgen von Forscherinnen und Forschern aus Österreich.

Doch wie ist es um die Außensicht bestellt? Gilt auch in der Öffentlichkeit die Informatik als Problemlöserin? Oder doch eher als die Quelle neuer Probleme?

Wir alle nutzen täglich Informations- und Kommunikationstechnologien. Dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - wird Informatik als Bedrohung, als Werkzeug in den Händen mächtiger Konzerne, als Instrument des Überwachungsstaates oder gar als Waffe, die wir nicht mehr beherrschen, gesehen.

Auch ein Küchenmesser kann zur Waffe werden. Würden Sie deshalb auf dessen Gebrauch verzichten? Wohl kaum. Mögliche Gefahren sind im Sinne des Wortes greifbar. Außerdem wissen Sie, wie man mit einem Küchenmesser verantwortungsbewusst umgeht. Unabsichtlich zugefügte kleinere Verletzungen kann man selbst behandeln. Bei gröberen Schnitten sucht man ärztliche Hilfe. Hingegen scheint im Umgang mit neuen Technologien, also in der Anwendung der Informatik, dieses Wissen oder der Wille zu einem verantwortungsbewussten Umgang oft zu fehlen.

In Zusammenarbeit mit dem bmvit und der Österreichischen Computergesellschaft haben wir, die österreichischen Informatik-Institute, Informatik Austria gegründet. Eines der Ziele ist, ganz im Sinne von Zemanek, die Leistungen der Informatik sichtbar zu machen. Gleichzeitig wollen wir zu einer aufgeschlossenen, aber auch kritischen Auseinandersetzung mit der Informatik beitragen. Dieses Heft ist eine erste Gelegenheit, uns kennenzulernen - weiter geht's auf www.informatikaustria.at.

Gabriele Anderst-Kotsis ist Vizerektorin für Forschung an der Universität Linz

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